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Karten-Werkzeug

Wie laut ist es an dieser Adresse?

Die amtliche Umgebungslärmkarte gibt für jede Adresse im Rheintal einen Wert für Tag und Nacht her, wenn dort erhoben wurde. Wir haben sie an 18 Punkten quer durch den Markt abgefragt, und der lauteste liegt nicht in der Landeshauptstadt, sondern in der Feldkircher Marktgasse. Wichtiger als jeder Einzelwert ist aber, wo die Karte nichts sagt: von 6.875 bewohnten Wohnlagen tragen nur 1.016 eine Zone.

Bregenz Hauptbahnhof
böhringer friedrich · CC BY-SA 3.0 at

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Unsere Auswertung je Wohnlage: eingefärbt sind nur BEWOHNTE 250-Meter-Zellen, Wald, Felder und Wasser bleiben frei. Blasse Zellen liegen unter der Kartierungsschwelle oder außerhalb des kartierten Gebiets. In diesem Markt ist der zweite Fall der deutlich häufigere. Quelle: strategische Umgebungslärmkarte 2022 (laerminfo.at, BMK), Straßen-, Autobahn- und Schienenlärm. Fluglärm ist für diesen Markt nicht erhoben.

So liest du die Karte

Die Karte zeigt den Dauerschallpegel in Zonen zu je 5 Dezibel: einmal über den ganzen Tag gemittelt (Lden, mit Abend- und Nacht-Gewichtung) und einmal nur für die Nacht (Lnight, 22 bis 6 Uhr). Grün heißt hier zweierlei: unter der Kartierungsschwelle von 55 dB am Tag bzw. 45 dB in der Nacht ODER außerhalb des erhobenen Gebiets. Diese beiden Bedeutungen auseinanderzuhalten ist im Rheintal die wichtigste Übung, denn der zweite Fall überwiegt deutlich.

unter 55 dB
Ruhig oder nicht erhoben. Der Bregenzer Leutbühel liegt mit 55 bis 59 dB knapp darüber, aber die Achsiedlung, die Fluh, der Dornbirner Marktplatz, das Lauteracher Rathaus und Egg tragen überhaupt keine Zone. Neun der 44 Regionen des Markts sind vollständig leer. Dort sagt Grün nichts.
55 bis 64 dB
Hörbar, aber üblich. In diesem Band liegt das Bregenzer Stadtzentrum am Leutbühel mit 55 bis 59 dB. Es ist das am dünnsten besetzte Band des Markts, weil die Karte hier fast nur die Hauptachsen kennt und die tragen höhere Werte.
65 bis 74 dB
Laut. Das ist das Band der Rheintalachse: Bregenz Rheinstraße und Bahnhof, Hohenems, Rankweil, Götzis, Wolfurt, Lustenau und der Feldkircher Bahnhof. In Götzis überlagern sich dabei drei Quellen gleichzeitig, Straße, Autobahn und Schiene.
über 75 dB
Sehr laut, das höchste Band der Skala. Gemessen an genau einer der 18 Stellen: in der Feldkircher Marktgasse, mitten in der Altstadt. Der lauteste Punkt des Markts liegt damit nicht in Bregenz.

Faustregel: 10 dB mehr empfinden die meisten Menschen als doppelt so laut. Und die Nacht zählt mehr als der Tag, für den Schlaf ist Lnight der wichtigere Wert. Vier der zehn kartierten Stellen liegen nachts bei 65 bis 69 dB, und drei davon sind Bahnlagen.

Ab wann gilt es amtlich als zu laut?

Die Schwellenwerte stehen im Bundes-Umgebungslärmschutzgesetz und unterscheiden sich je Quelle. Sie sind kein Grenzwert im Sinn eines Verbots, sondern der Punkt, ab dem der Staat Aktionsplanung betreiben muss.

QuelleTag (Lden)Nacht (Lnight)
Straße60 dB50 dB
Autobahn und Schnellstraße60 dB50 dB
Schiene70 dB60 dB
Flugverkehr65 dB55 dB
Industrie (IPPC-Anlagen)55 dB50 dB

Für den Schienenlärm liegt die Schwelle höher als für die Straße, weil ein vorbeifahrender Zug anders wirkt als Dauerverkehr. Im Rheintal ist das relevant: von den zehn kartierten Stellen tragen vier eine Schienenzone, und drei davon liegen nachts im Band 65 bis 69 dB.

Was die Karte kann und was nicht

Grün heißt hier meistens „nicht erhoben“
Von 6.875 bewohnten Wohnlagen im Markt tragen 1.016 eine amtliche Zone, also 14,8 Prozent. In unseren anderen Märkten sind es 11 bis 35 Prozent, Bregenz ist damit der zweitdünnste. Neun der 44 Regionen sind vollständig leer. Keine Zone ist dort keine Aussage über die Ruhe.
Kein Ballungsraum, und diesmal ohne Überraschung
Die EU-Umgebungslärmrichtlinie nennt 100.000 Einwohner als Schwelle für eine flächendeckende Kartierung. Österreich hat fünf Ballungsräume ausgewiesen: Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck. Bregenz hat 29.270 Einwohner und liegt weit darunter. Wir haben den amtlichen Layer an allen 18 Punkten des Markts abgefragt, überall ohne Treffer.
Der lauteste Punkt liegt nicht in Bregenz
In der Feldkircher Marktgasse weist die Karte Lden ab 75 dB aus, das höchste Band der Skala. Das Bregenzer Zentrum am Leutbühel trägt 55 bis 59 dB. Wer den Markt nach Ruhe sortiert, sortiert ihn nicht nach Stadtgröße.
Fluglärm ist hier nicht erhoben
Unser Datenbestand für diesen Markt trägt Straße, Autobahn und Schiene, keinen Flugverkehr. Der nächste Flughafen ist St. Gallen-Altenrhein in der Schweiz, 14 Kilometer Luftlinie über den See; der einzige Flugplatz Vorarlbergs ist Hohenems-Dornbirn. Beide sind keine Großflughäfen im Sinn der Kartierung.
Industrielärm ist nicht erhoben
Genehmigungspflichtige Industrieanlagen (IPPC) werden nur in den fünf Ballungsräumen kartiert. Für diesen Markt liegt darum keine Industriezone vor. Das heißt nicht, dass es keinen Anlagenlärm gibt, sondern dass niemand ihn flächig erhoben hat.
Nur Verkehr, und nur außen
Die Karte kennt Nachbarn, Gastgärten, Baustellen und Sportplätze nicht. Sie rechnet außerdem den Pegel an der Fassade, nicht in der Wohnung: Fenster, Geschoss und Gebäudeseite ändern das Ergebnis erheblich. Liegt der angetippte Punkt in keiner Zone, nimmt die Analyse die lauteste Zone im Umkreis von rund 15 Metern, also die Straßenseite, und sagt das dazu.

Ruhezeiten im Rheintal: was gilt wo?

Hier ist die Antwort unbequemer als anderswo: Vorarlberg hat KEINE landesweiten Ruhezeiten. Das Landes-Sicherheitsgesetz sagt in § 1 nur „Niemand darf ungebührlicherweise störenden Lärm erregen“ und ermächtigt in § 2 die Gemeindevertretung, lärmerregende Tätigkeiten zeitlich und örtlich zu beschränken. Was gilt, entscheidet also die Gemeinde, und in einem Markt aus 38 Gemeinden heißt das: die Regel wechselt an der Gemeindegrenze.

Bregenz hat eine Lärmschutzverordnung, beschlossen am 19. März 1991. Rasenmähen und andere lärmende Gartengeräte sind danach von Montag bis Samstag zwischen 8 und 12 sowie zwischen 14 und 19 Uhr erlaubt, an Sonn- und Feiertagen nicht. Dieselben Zeiten gelten in Dornbirn und in Bludenz. Wer gegen die Verordnung verstößt, begeht eine Verwaltungsübertretung: nach § 15 Abs. 1 lit. a des Landes-Sicherheitsgesetzes bis zu 700 Euro Geldstrafe, eine Ersatzfreiheitsstrafe ist nicht vorgesehen.

Vier Nachbargemeinden, vier verschiedene Regeln

Bregenz: Verordnung, 8 bis 12 und 14 bis 19 Uhr
Lärmschutzverordnung vom 19. März 1991, Montag bis Samstag. Sonn- und Feiertage sind ausgenommen. Dieselben Zeiten führen Dornbirn und Bludenz.
Lochau: Verordnung, aber eine Stunde länger
Montag bis Samstag von 8 bis 12 und von 14 bis 20 Uhr. Die Nachbargemeinde von Bregenz erlaubt abends also eine Stunde mehr als die Landeshauptstadt, obwohl beide Ortsteile ineinander übergehen.
Lauterach: nur eine Empfehlung
Montag bis Freitag 8 bis 12 und 13 bis 19 Uhr, Samstag bis 18 Uhr, und das ist eine EMPFEHLUNG und keine Verordnung. Wer sich nicht daran hält, begeht damit auch keine Verwaltungsübertretung, solange der Lärm nicht ungebührlich im Sinn des § 1 ist.
Lingenau: gar keine Vorgabe
Die Gemeinde hat keine eigene Regelung erlassen. Dort gilt allein der Grundsatz des Landesgesetzes, und was „ungebührlich“ heißt, entscheidet dann die Behörde im Einzelfall.
Unter den größten Gemeinden nur vier
Von den zehn größten Gemeinden der Region haben überhaupt nur Bregenz, Bludenz, Dornbirn und Hard eine Lärmschutzverordnung erlassen. In allen anderen gibt es keine festen Uhrzeiten, auf die man sich berufen könnte.

Für die Wohnungssuche heißt das zweierlei. Erstens: die Frage „Wann darf der Nachbar mähen?“ hat hier keine Landesantwort, sondern eine Gemeindeantwort. Zweitens: eine Adresse zwei Straßen weiter kann unter einer anderen Regel stehen, und das steht in keinem Inserat.

Rechtsgrundlage: Vorarlberger Landes-Sicherheitsgesetz LGBl.Nr. 1/1987, § 1 und § 2 in der Fassung LGBl.Nr. 61/2013, Strafbestimmung § 15 in der Fassung LGBl.Nr. 121/2015. Die Gemeindezeiten stammen aus der Verordnungssammlung der Stadt Bregenz und aus der Übersicht auf oesterreich.gv.at. Ohne Gewähr, im Zweifel bei der Gemeinde nachfragen.

Und Fluglärm?

Für diesen Markt ist keiner erhoben. Unser Datenbestand trägt Straßen-, Autobahn- und Schienenlärm, keinen Flugverkehr, und das ist kein Versehen: kartiert werden nur Großflughäfen, und im Rheintal gibt es keinen.

Der nächste Flughafen ist St. Gallen-Altenrhein, und er liegt in der Schweiz, 14 Kilometer Luftlinie von Bregenz über den See. Der einzige Flugplatz Vorarlbergs ist Hohenems-Dornbirn, dazu kommen drei Hubschrauberlandeplätze in Feldkirch, Ludesch und Nenzing.

Wer nahe an Altenrhein oder am Flugplatz Hohenems-Dornbirn sucht, findet die Belastung also weder auf dieser Karte noch in einer österreichischen Statistik. Das ist eine Lücke, und wir schreiben sie hin, statt die leere Karte als Ruhe auszugeben.

Auch für die Nacht liegt nichts vor. Ein fehlender Wert heißt hier nicht „keine Bewegungen“, sondern „nicht erhoben“.

Häufige Fragen

Warum ist die Karte im Rheintal so löchrig?

Weil nur Hauptverkehrswege erhoben werden. Eine flächendeckende Kartierung gibt es nur in den fünf österreichischen Ballungsräumen, und Bregenz ist mit 29.270 Einwohnern keiner. Von 6.875 bewohnten Wohnlagen im Markt tragen darum 1.016 eine Zone, also 14,8 Prozent, und neun der 44 Regionen sind vollständig leer.

Ist es in Bregenz leiser als in Feldkirch?

An den kartierten Stellen ja, aber der Vergleich hinkt. Der lauteste Punkt unserer 18 Messungen ist die Feldkircher Marktgasse mit Lden ab 75 dB, das Bregenzer Zentrum am Leutbühel trägt 55 bis 59. Die Bregenzer Rheinstraße liegt allerdings bei 70 bis 74 dB, und zwar wegen der Bahn. Innerhalb einer Stadt ist die Spanne also größer als zwischen den Städten.

Wann darf mein Nachbar in Bregenz Rasen mähen?

Von Montag bis Samstag zwischen 8 und 12 sowie zwischen 14 und 19 Uhr, nach der Lärmschutzverordnung vom 19. März 1991. An Sonn- und Feiertagen nicht. In Lochau gilt bis 20 Uhr, in Lauterach ist es nur eine Empfehlung, und in Lingenau gibt es gar keine Vorgabe. Vorarlberg hat keine landesweite Regelung.

Was kostet ein Verstoß?

Nach § 15 Abs. 1 lit. a des Vorarlberger Landes-Sicherheitsgesetzes bis zu 700 Euro Geldstrafe. Eine Ersatzfreiheitsstrafe sieht das Gesetz nicht vor. Strafbar ist sowohl der Verstoß gegen eine Gemeindeverordnung als auch, ganz ohne Verordnung, ungebührlicherweise störender Lärm nach § 1.

Gibt es eine Dezibel-Grenze für Nachbarschaftslärm?

Nein. Für Nachbarschaftslärm nennt das Gesetz keinen Dezibel-Wert; entschieden wird nach dem Ortsüblichen und danach, ob die übliche Nutzung der Wohnung wesentlich beeinträchtigt wird. Die Dezibel-Schwellen auf dieser Seite gelten für den Verkehrslärm der amtlichen Karte, für Straße also 60 dB am Tag und 50 dB in der Nacht.

Zeigt die Karte auch den Lärm in der Wohnung?

Nein, sie rechnet den Pegel an der Fassade. Geschoss, Fensterqualität und Gebäudeseite ändern das Ergebnis erheblich: zwischen der Straßen- und der Hofseite desselben Hauses liegen leicht 10 bis 15 dB, und 10 dB empfinden die meisten Menschen als halb so laut.

Amtliche Kartendaten: 2022 (nächste EU-Runde: 2027) · Quelle: laerminfo.at (BMK), CC BY · Ruhezeiten: Vorarlberger Landes-Sicherheitsgesetz LGBl.Nr. 1/1987 (§ 1 und § 2 i. d. F. LGBl.Nr. 61/2013, § 15 i. d. F. LGBl.Nr. 121/2015) und Lärmschutzverordnung der Stadt Bregenz vom 19. März 1991 · Gemeindezeiten im Umland: oesterreich.gv.at · Ballungsraum-Status, kartierte Quellen und Abdeckung von uns abgefragt, September 2026