Ratgeber · Mieten
Direkt von der Eigentümerin oder dem Eigentümer mieten heißt: kurzer Draht, schnelle Entscheidungen und niemand, der dazwischen mitverdient. Es heißt aber auch: Du prüfst selbst, was sonst ein Profi prüft. Hier steht, wo du private Inserate findest, worauf du achtest und woran du unseriöse Angebote sofort erkennst.

Der oft genannte Provisions-Vorteil ist inzwischen kleiner als gedacht: Seit dem Bestellerprinzip (Juli 2023) zahlt die Maklerprovision ohnehin, wer den Makler beauftragt, als Mieterin oder Mieter also praktisch nie. Der echte Vorteil beim Privat-Mieten liegt woanders: Du verhandelst direkt mit der Person, der die Wohnung gehört. Fragen werden in Stunden statt Wochen beantwortet, Übergabetermine sind flexibler, und über Details wie Küche, Ausmalen oder Einzugstermin lässt sich reden.
Die ehrliche Kehrseite: Private Vermieter sind keine Profis. Verträge kommen oft aus Vorlagen, Betriebskosten-Abrechnungen sind nicht immer sauber, und niemand haftet dir für Angaben im Inserat. Genau deshalb lohnt sich die Checkliste unten, sie ersetzt den fehlenden Profi-Blick.
Auf den großen Portalen gehen private Anzeigen zwischen tausenden Makler-Inseraten unter, und einige Portale verlangen von Privaten Gebühren fürs Inserieren, was das Angebot dort dünn hält. Bei wohnwahn ist der Eigeneintrag kostenlos, deshalb kommen Inserate hier direkt von Privatpersonen und von Maklern, klar gekennzeichnet, wer der Anbieter ist. Und weil wohnwahn ein privates, unabhängiges Projekt ist, verdient niemand an deiner Suche mit.
Der schnellste Weg: Suche speichern und benachrichtigen lassen. Private Wohnungen sind oft nach Tagen weg, mit einem Such-Alarm bekommst du neue Treffer automatisch per Mail, bevor du sie selbst suchen musst.
Gerade bei "privat" tarnen sich Betrüger gern. Die Masche ist fast immer gleich: eine auffallend günstige Wohnung, ein angeblich verhinderter Vermieter und die Bitte um Geld vor der Besichtigung. Die eiserne Regel dagegen:
Zahle nie Geld und schicke keine Ausweiskopie, bevor du die Wohnung von innen gesehen und einen unterschriebenen Vertrag hast.
Neue Verträge am privaten Markt sind das teuerste Segment in Wien: Befristete Verträge kosten im Schnitt 14,10 Euro pro Quadratmeter, unbefristete 9,20 (Statistik Austria, 2025). Wer den Richtwert-Deckel im Altbau kennt und Betriebskosten lesen kann, spart also nicht theoretisch, sondern jeden Monat. Beides erklären wir Schritt für Schritt.
Richtwertmiete & Lagezuschlag erklärt →
Nicht automatisch. Seit dem Bestellerprinzip zahlst du als Mieter ohnehin keine Maklerprovision mehr. Private Angebote sind aber oft flexibler verhandelbar, und im Altbau gilt derselbe gesetzliche Richtwert-Deckel wie bei Profi-Vermietern, prüfen lohnt sich in beiden Fällen.
An der Kombination aus auffallend günstigem Preis, einem angeblich verhinderten oder im Ausland lebenden Vermieter und der Bitte um Geld oder Ausweiskopien vor der Besichtigung. Die Regel: Nie zahlen, bevor du die Wohnung von innen gesehen und einen unterschriebenen Vertrag hast.
Üblich sind Einkommensnachweise der letzten Monate, ein Meldezettel und manchmal eine Selbstauskunft. Gib Ausweiskopien erst bei ernsthaftem Vertragsinteresse heraus, nie vorab per Mail an Unbekannte.
Mindestens: Vertragsparteien, Wohnung, Hauptmietzins und Betriebskosten getrennt, Kaution, Beginn und (bei Befristung) Dauer. Befristete Verträge müssen schriftlich sein und bei privaten Vermietern mindestens 3 Jahre laufen.
Üblich sind drei Bruttomonatsmieten; mehr als sechs gelten nach der Rechtsprechung regelmäßig als sittenwidrig. Die Kaution ist getrennt zu veranlagen und nach Vertragsende samt Zinsen zurückzugeben, abzüglich belegter Schäden.
Ja, im Altbau (Vollanwendung des Mietrechtsgesetzes) genauso wie bei gewerblichen Vermietern: kostenlos bei der Schlichtungsstelle der Stadt Wien (MA 50). Bei befristeten Verträgen geht das bis mindestens 6 Monate nach dem Auszug.
Stand: Juli 2026 · Orientierung, keine Rechtsberatung