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Wien, einmal anders

Wien ohne Menschen

Was wüchse hier, wenn nie jemand gebaut hätte? Scroll durch die Geschichte: Wir tragen Wien Schicht für Schicht ab, bis nur die Natur ohne uns bleibt, und schauen zurück auf Wien um 1830, vor der Donauregulierung. Oder schau dir die Karte gleich selbst an.

Links heute, rechts die gewählte Ebene. Die Linie lässt sich ziehen.

  1. Das ist Wien

    Häuser, Straßen, Felder, Dämme, sogar das gerade Bett der Donau: Fast alles hier haben Menschen gemacht. Was wäre, wenn nie jemand gebaut hätte? Scroll weiter, dann tragen wir Wien Schicht für Schicht ab.

  2. Jedes Haus, jeder Baum

    So sieht der Laserscan des BEV die Innere Stadt: jedes Dach und jede Baumkrone im Raster von einem Meter, 2023 belaubt beflogen.

  3. Erst die Häuser weg

    Ohne Häuser und Bäume bleibt der Boden, auf dem die Stadt steht: das Geländemodell des BEV, ebenfalls im Raster von einem Meter. Donaukanal und Wienfluss liegen tief in ihren Betten.

  4. Dann die Dämme

    Jetzt sind auch Bahn- und Straßendämme, Einschnitte, das ausgemauerte Wienflussbett, Donauinsel, Hochwasserdämme, Deponien und Gruben herausgerechnet. Im Donautal liegt wieder das Bett von 1825, aus dem Kataster nachgebaut, mit Armen, Inseln und Schotterbänken.

  5. Und dann lass wachsen

    Auf diesem Boden wüchse fast überall Wald: Ohne Menschen wäre Wien zu 91 % bewaldet. Offen blieben nur Wasser, Schotterbänke, Schilf und Lichtungen.

  6. Der Prater wäre Au

    Aus der Luft sieht hier fast alles gleich grün aus, darum färben wir die Waldtypen ein. Am Lusthaus wüchse Weidenau, beim Riesenrad Pappelau, und wo das Hochwasser seltener hinkommt, Hartholzau.

    • Weidenau
    • Pappelau
    • Hartholzau
    • Harte Au der höheren Fluren
  7. Der Wienerwald

    Im Wienerwald entscheiden Höhe, Hang und Regen. Oben auf dem Kahlenberg wüchse Buchenwald, tiefer am Steinhof Eichen-Hainbuchenwald, und in den Talsohlen der Bäche Erlen-Eschen-Bachwald.

    • Buchenwald
    • Eichen-Hainbuchenwald
    • Linden-Ahorn-Hangwald
    • Erlen-Eschen-Bachwald
  8. Schönbrunn im Bachwald

    Bei Schönbrunn wüchse Erlen-Eschen-Bachwald: Schwarzerle und Esche in den Talsohlen der Bäche. Flussaufwärts verzeichnet der Kataster um 1830 im Wienfluss noch Schotterbänke.

  9. Um 1830 waren wir längst da

    Um 1830 war das heutige Wien zu 39 % Acker, zu 18 % Wiese und Weide und nur zu 21 % Wald. Ohne Menschen wären es 91 %.

    • Äcker
    • Wiesen und Weiden
    • Wald
    • Weingärten
    • Gebäude
  10. Dann kam die Donauregulierung

    Um 1830 floss die Donau noch in vielen Armen durch eine breite Au. Die Linie zeigt, was daraus wurde: Wo heute UNO-City und DC Tower stehen, war damals Wasser.

  11. Jetzt du

    Schalte selbst um, vergleiche mit heute und tipp in die Karte: Was wüchse bei dir, und was war dort um 1830?

    Mit zwei Fingern verschiebst und zoomst du die Karte.

Was wächst wo (Modell)

  • Eichen-Hainbuchenwald
  • Harte Au der höheren Fluren
  • Lichter Eichenwald
  • Hartholzau
  • Buchenwald
  • Pappelau
  • Donau, Arme und Bäche
  • Erlen-Eschen-Bachwald
  • Weidenau
  • Lichtung und Trockenwiese
  • Schotter- und Sandbank
  • Linden-Ahorn-Hangwald
  • Schilf und Röhricht
  • Flaumeichen-Buschwald
  • Fels

Aus der Luft sehen sich die Waldtypen fast gleich. „Was wächst wo?“ färbt sie in diesen Farben.

Tipp in die Karte oder such eine Adresse: was dort wüchse, was 1830 dort war, wie weit die Donau entfernt war und wie hoch die Stelle liegt.

Was stand wo

Bekannte Orte auf den drei Karten. Werte genau am Punkt; ein Tipp auf den Ort in der Karte zeigt dieselbe Auskunft.

OrtOhne MenschenUm 1830Seehöhe
StephansdomLichter EichenwaldKirche171 m
RathausEichen-HainbuchenwaldTrockenwiese181 m
KarlskircheEichen-HainbuchenwaldKirche173 m
BelvedereLichter EichenwaldGebäude aus Stein193 m
SchönbrunnErlen-Eschen-BachwaldGebäude aus Stein190 m
RiesenradPappelauPark160 m
Ernst-Happel-StadionPappelauTrockenwiese159 m
DonauturmPappelauLaubwald165 m
DC TowerDonau, Arme und BächeDonau und Flüsse167 m
Millennium TowerSchotter- und SandbankDonau und Flüsse162 m
UNO-CityDonau, Arme und BächeDonau und Flüsse160 m
HauptbahnhofLichter EichenwaldAcker200 m
Karl-Marx-HofHartholzauTrockenwiese164 m
KahlenbergBuchenwaldLaubwald483 m
SeestadtHarte Au der höheren FlurenAcker156 m
Alte DonauWeidenauLaubwald156 m
LeopoldsbergBuchenwaldWeg, Straße oder Platz426 m
LusthausWeidenauWeg, Straße oder Platz159 m
SteinhofEichen-HainbuchenwaldTrockenwiese327 m
HermannskogelBuchenwaldWeg, Straße oder Platz543 m
LobauDonau, Arme und BächeDonau und Flüsse154 m

Wien um 1830 in Zahlen

Zwischen 1817 und 1829 hat der Franziszeische Kataster Wien Parzelle für Parzelle vermessen. Auf das heutige Stadtgebiet (41.477 Hektar) gerechnet:

Wald20,5 %
Äcker38,9 %
Weingärten4,3 %
Wiesen und Weiden17,8 %
Gärten und Parks3,7 %
Gebäude1,5 %
Wasser, Schotter, Sumpf6,9 %

Wege, Straßen und Plätze, die der Kataster ohne Nutzungsart führt, machen 5,4 % aus; die übrigen 0,9 % sind Ödland, Böschungen, Dämme, Gruben, Steinbrüche, Brücken und der Linienwall.

Um 1830 war das heutige Wien zu 21 % Wald. Ohne Menschen wären es 91 %.

Laut einer Übersicht der BOKU (2019) liegt für Wien keine detaillierte Auswertung des Katasters vor; die Zahlen hier rechnet wohnwahn aus den 102.125 Flächen, die die Stadt Wien veröffentlicht.

So entsteht die Karte
  • Ohne Menschen ist ein Modell, keine Messung. Wasser: die Donau mit ihren Armen, wie sie um 1825 vermessen wurde. Au: wo die geologische Karte junge Talböden zeigt, Weiden-, Pappel- und Hartholzau nach dem Abstand zum Wasser, geeicht an Anteilen aus der Literatur; auf den höheren, älteren Fluren (Marchfeld) eine harte Au; in den Bachtälern Erle und Esche. Hügel und Terrassen: Wald nach Höhe, Hangneigung, Himmelsrichtung und Niederschlag, Buche an den kühlen Hängen des Wienerwalds, Eiche und Hainbuche, lichter Eichenwald im trockenen Osten, Flaumeiche an steilen Südhängen.
  • Der Boden ist der Laserscan ohne uns. Bahn- und Straßendämme, Einschnitte, das ausgemauerte Wienflussbett, Deponien, Gruben, Donauinsel und Hochwasserdämme sind herausgerechnet, der Boden ist von den Rändern her aufgefüllt. Im Donautal liegt das Bett von 1825, aus dem Kataster nachgebaut.
  • Das Aussehen stammt aus echten Wäldern, die Verteilung aus den Regeln. Jede Waldart trägt Ausschnitte aus dem Orthofoto der Stadt Wien (40 cm je Bildpunkt), genau dort geschnitten, wo die Biotoptypenkartierung diesen Waldtyp heute führt: Buchenwald im Wienerwald, Silberpappel- und Hartholzau in der Lobau, Schilf an den Altarmen. Jeder Waldfleck nimmt einen eigenen Ausschnitt, gedreht und gespiegelt; so bleibt der Wald fleckig wie in echt, und aus der Nähe sieht man einzelne Kronen. Die Weidenau trägt Silberpappelau, weil in Wien kein Weidenbestand breit genug ist. Wasser, Schotter und Fels sind gerechnet, ohne Bildvorlage. Die Ausschnitte zeigen den Wald belaubt.
  • Gegenprobe. Wo der Kataster 1829 noch Wald verzeichnet, sagt das Modell auf 99,3 % der Fläche Wald (in ganz Wien sind es 91,3 %); Auwiesen von 1829 liegen zu 99,9 % in der Au des Modells.
  • Um 1830 ist aus dem Kataster gezeichnet. 102.125 Flächen mit ihrer Nutzung, im eigenen Stil: Gebäude aus Stein rot, aus Holz gelb, Weingärten mit Rebzeilen, Wald mit Bäumen.
  • Der Laserscan ist das Oberflächenmodell des BEV. 1 m Auflösung, 2023 belaubt beflogen, getönt nach der Geländehöhe.
Was die Karte nicht weiß
  • Das Wasser zeigt die Donau um 1825. Ohne Menschen hätte sie ihre Arme immer wieder verlegt; einen festen Naturzustand gibt es nicht.
  • Grenzen zwischen Waldtypen sind Modell, kein Fund. Einzelne Bäume und Lichtungen sind Bild, keine Messung.
  • Die Anschüttung unter der Inneren Stadt (stellenweise über 10 m) ist nicht abgezogen: dafür gibt es keine offenen Daten.
  • Der Kataster deckt nur das heutige Wien, darum endet die Karte an der Stadtgrenze.
  • Ganz natürlich war die Donau auch 1825 nicht mehr: Donaukanal und erste Dämme gab es schon.

Quellen zum Video „Wien ohne Häuser“

Video ansehen:wohnwahn auf TikTokwohnwahn auf Instagramwohnwahn auf YouTube

Daten

Für den Film haben wir die Daten ausgeschnitten, umgerechnet und neu gezeichnet.

Google 3D

Wien heute, der Blick vom Leopoldsberg: Googles fotorealistisches 3D. Im Film steht die Nennung im Bild, solange Googles Bild zu sehen ist: Google · Kartendaten: Landsat / Copernicus, Data SIO, NOAA, U.S. Navy, NGA, GEBCO, Airbus

Bild

  1. Johann Wachtl (Zeichner), „Panorama vom Leopoldsberge bei Wien“ mit topographischen Angaben, um 1830. Wien Museum, Inv.-Nr. 43971/1. Lizenz: CC0 1.0. Änderung: Ausschnitt, über das gerechnete Gelände geblendet.

KI, Stimme und Musik

Die Bilder hat eine KI genau nach diesen Vorgaben gemalt und bewegt; Wasser, Lage und Horizont sind nachgemessen. Stimme, Musik und Geräusche sind mit KI erzeugt (ElevenLabs).