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Quellen zum Video

Waren die Gletscher schon einmal kleiner?

Unter der Pasterze wuchsen einmal Zirben, die Gletscher waren also schon einmal kleiner. Das Video zeigt in einer Minute, im Tal der Pasterze selbst, warum es damals so war und warum das Eis heute trotzdem geht. Hier stehen seine Quellen, Aussage für Aussage.

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Video · 1:00 · mit Ton

Was das Video zeigt

Das Video beginnt mit Gustav Jägermayers Foto der Pasterze von 1863, deckungsgleich in Googles 3D von heute: Im Fenster springt das Tal zwischen dem Eis von 1863 und heute. Vor der Pasterze spült der Gletscherbach Holz und Torf heraus, Tausende Jahre alt, darunter Stämme von Zirben. Gefunden wird seit 1963 und wieder seit 1990, im September 2014 ein Zirbenstamm von 7,9 Metern. Wo die Bäume wuchsen, weiß niemand genau: Die Quellen legen die Stellen unter das heutige Eis, bis zu vier Kilometer talauf.

Die Gletscher waren also schon einmal kleiner. Die Pasterze war laut den Datierungen von Kurt Nicolussi und Kollegen wohl fast 7.000 Jahre lang kürzer als um 2010, von etwa 10.200 bis 3.500 Jahren vor heute. Der Grund war damals vor allem die Erdbahn, sie gab dem Sommer auf der Nordhalbkugel mehr Sonne. Mitte Juli kam über der Pasterze oben an der Atmosphäre vor rund 10.000 Jahren rund 9 % mehr Sonne an als heute, 495 statt 455 Watt je Quadratmeter.

Dann gab die Erdbahn dem Sommer weniger Sonne, und über Jahrtausende wuchsen die Gletscher, mit Rückzügen dazwischen. Um 1850 waren sie so groß wie seit Jahrtausenden nicht; diesen Gipfel trieben auch Vulkanausbrüche und eine schwache Sonne. Heute gibt die Erdbahn dem Sommer genauso wenig Sonne wie um 1850, 455,0 gegen 455,4 Watt je Quadratmeter. Und das Eis geht trotzdem: Das Fenster mit dem Foto von 1863 kehrt zurück und springt auf heute.

Damals lag es vor allem an der Erdbahn, diesmal nicht. Sonne und Vulkane haben die Temperatur der Erde seit 1850–1900 laut Weltklimarat nur um −0,1 bis +0,1 °C verändert, während sie bis 2011–2020 um rund 1,1 °C stieg, in Österreich bis 2023 um rund 2,9 °C. Dass die Gletscher seit den 1990er-Jahren schwinden, liegt laut Weltklimarat sehr wahrscheinlich vor allem am Menschen.

Am Schluss stehen die Gletscher Österreichs im Umriss von um 1850, darin ihr Eis von 2021 bis 2023. Zusammen ist knapp ein Drittel der Fläche übrig, so steht es oben auf der Tafel; von der Pasterze 63 %, vom Hallstätter Gletscher die Hälfte. Das Video fragt: Welcher Gletscher ist deiner? Und es dankt reinhardpaulseyer und Erich, deren Fragen aus den Kommentaren es beantwortet.

Die Bilder sind echt: Googles fotorealistisches 3D von heute, darin die Eisränder der Pasterze um 1850, 1998, 2009 und 2022 aus dem Österreichischen Gletscherinventar, dazu das Foto von 1863 aus der Albertina. Die Kurve der Julisonne ist eine eigene Rechnung aus den Bahnelementen von Berger und Loutre 1991, die Höhenlinien hinter der Schlusstafel kommen aus dem Geländemodell von geoland.at. Mit KI erzeugt sind nur die Stimme und die Geräusche.

Quellen und Bildnachweise

Daten

Für den Film haben wir die Daten ausgeschnitten, umgerechnet und neu gezeichnet.

Google 3D

Die Pasterze heute: der Blick von der Franz-Josefs-Höhe, wo 1863 das Foto entstand (am Anfang und am Wendepunkt), die Fahrt über dem Pasterzensee talauf und zurück bis zur Margaritze und der Aufstieg über die ganze Zunge: Googles fotorealistisches 3D. Im Film steht die Nennung im Bild, solange Googles Bild zu sehen ist: Heute in 3D: Google Maps · Kartendaten: CNES / Airbus, Airbus, Maxar Technologies, Landsat / Copernicus, Data SIO, NOAA, U.S. Navy, NGA, GEBCO

Bild

  1. Gustav Jägermayer (Fotograf), Johannesberg mit Pasterze von der Franz-Josefs Höhe aus OSO, 1863. Albertina, Wien, Inv.-Nr. Foto2001/22/13. Lizenz: gemeinfrei (Public Domain). Änderung: Ausschnitt, um 3,13° gedreht und perspektivisch an Googles Kamera angepasst, als Fenster „1863“ deckungsgleich in Googles 3D von heute eingesetzt, vom selben Standpunkt (die Himmelslinie liegt im Median 0,1° neben der von Google); am Anfang springt das Fenster im Takt zwischen 1863 und heute, am Wendepunkt kehrt es zurück und springt bei „Und das Eis geht trotzdem“ auf heute.

KI, Stimme und Musik

Im Film ist nichts mit KI gemalt oder bewegt: Das Foto von 1863 ist echt, die Ansichten von heute sind Googles 3D, Eisränder, Kurve und Schlusstafel sind aus den Daten gezeichnet. Stimme und Geräusche sind mit KI erzeugt: die Stimme mit Gemini 3.8 Flash TTS („Charon“), die Geräusche (Gletscherbach, Höhenwind, knackendes Eis) mit ElevenLabs. Musik gibt es keine.

Jede Aussage des Films und ihre Belege

  1. Unter der Pasterze wuchsen einmal Zirben.

    Wo genau die Zirben wuchsen, weiß niemand: Alle Quellen legen die Stellen unter das heutige Eis. Darum sagt der Film „unter der Pasterze“, nicht „wo vor Kurzem noch Eis lag“; die Linien im Bild sind die Eisränder 2009 und 2022, keine Fundstellen. Ganz unabhängig sind die zwei Hauptquellen nicht: Sie beschreiben teils dieselben Funde, Slupetzky u. a. verweisen auf Nicolussis Jahrringdaten.

  2. Jetzt spült das Schmelzwasser ihr Holz heraus, Tausende Jahre alt.

    Gefunden wird seit 1963 und wieder seit 1990, während das Eis zurückgeht. Neben Zirben fanden Nicolussi und Patzelt auch Lärchen; der Film nennt die Zirbe, weil jede der Quellen sie nennt.

  3. Ja, die Gletscher waren schon einmal kleiner. Aber warum?

    „Kleiner“ heißt in den Quellen: kleiner als am Ende des 20. Jahrhunderts, als 1985 oder als um 2010. Laut Weltklimarat sind die Gletscher der Nordhalbkugel an den meisten Orten auch heute noch größer als im frühen und mittleren Holozän (Kap. 2, S. 345).

  4. Damals gab die Erdbahn dem Sommer mehr Sonne, und fast 7.000 Jahre lang war die Pasterze wohl kürzer als 2009. Im Bild die Quelle: „Pasterze wohl kürzer als 2009: Nicolussi u. a. 2020“.

    „Wohl“ und „fast“ gehören dazu: Der Tagungsbeitrag schreibt „probably“, und 10.200 bis 3.500 Jahre sind 6.700 Jahre. Er vergleicht mit dem Stand um 2010, im Bild liegt der Eisrand von 2009 aus dem Gletscherinventar. Keine Quelle führt die Pasterze einzeln auf die Erdbahn zurück: Der Weltklimarat sagt es für die Gletscher der Nordhalbkugel, und die kurze Pasterze fällt in die Zeit der hohen Julisonne. „Erdbahn“ steht wie beim Weltklimarat („orbital forcing“) für die Bahn und die Neigung der Erdachse.

  5. Dann gab sie dem Sommer weniger, und das Eis wuchs.

    Ein Trend über Jahrtausende, mit Rückzügen dazwischen, etwa in der Römerzeit und im Mittelalter. Den Hochstand um 1850 trieben auch Vulkanausbrüche und eine schwache Sonne; darum sagt der Film nicht, die Erdbahn habe ihn gemacht, und zeigt keinen Pfeil von der Kurve zum Eis.

  6. Um 1850 waren die Gletscher so groß wie seit Jahrtausenden nicht.

    Bewusst „die Gletscher“, nicht „die Pasterze“: Für sie allein ist es nicht belegt, sie reichte nach der Eiszeit bei zehn bis zwölf Hochständen jeweils bis zum Margaritzenfelsen (Slupetzky u. a. 1998, S. 226). Der Satz gilt für die Gletscher im Ganzen, nicht für jeden einzelnen: Manche früheren Vorstöße, auch in den Alpen, waren ähnlich groß wie die der Kleinen Eiszeit (Solomina u. a. 2016, S. 82 f.).

  7. Heute gibt die Erdbahn dem Sommer genauso wenig Sonne wie um 1850.

    Eine eigene Rechnung, mit zwei weiteren Lösungen für die Erdbahn nachgerechnet; sie gilt oben an der Atmosphäre, ohne Wolken. „So wenig wie seit über 10.000 Jahren nicht“ sagt der Film bewusst nicht: Für Mitte Juli wäre es wahr, zur Sonnwende nicht, und um 1850 war es schon genauso wahr.

  8. Und das Eis geht trotzdem. Im Bild springt das Foto von 1863 auf heute, dann die Eisränder 1998 und 2022.

    „Trotzdem“ bezieht sich auf den Satz davor: dieselbe Julisonne aus der Erdbahn wie um 1850, als die Gletscher am größten waren.

  9. Damals lag es vor allem an der Erdbahn. Diesmal nicht.

    „Vor allem“, weil einzelne Phasen auch zu einer stärkeren Sonne passen. Der Film sagt „Erdbahn“, nicht „Sonne“: Die Sonne selbst schwankte über Jahrtausende nur um rund 0,1 %, die Julisonne auf 47° Nord durch die Erdbahn um rund 9 %. Mit „Sonne“ hörte man Sonnenaktivität, und die erklärt die großen Minima nicht.

  10. Dass die Gletscher seit den 1990er-Jahren schwinden, liegt laut Weltklimarat sehr wahrscheinlich vor allem am Menschen.

    Die Zeitangabe hängt am Rückgang, nicht an der Ursache: Über die Zeit vor 1990 sagt der Satz, wie der Weltklimarat, nichts. „Sehr wahrscheinlich“ ist seine Stufe „very likely“, „vor allem“ heißt „main driver“, also mehr als die Hälfte; gemeint ist der weltweite Rückgang. „Die Gletscher“ statt „sie“, weil „sie“ nach dem Satz davor die Erdbahn wäre. Die zwei Studien gehen in die Bewertung des Weltklimarats ein, ganz unabhängig von ihm sind sie nicht.

  11. Im Bild die Kurve „Julisonne aus der Erdbahn“: links „rund 9 % mehr“, an ihrer Spitze eine Sonne mit der Zeit darunter, von „vor 10.500 Jahren“ bis „vor 1.000 Jahren“, dann „um 1850“, gestrichelt weiter bis „heute“, darüber „genauso wenig“. Quelle im Bild: „Julisonne: 47° Nord, Ausschnitt, Berger und Loutre 1991“.

    „Julisonne“, nicht „Sommersonne“: Die 9 % gelten für Mitte Juli; über Juni bis August sind es rund 6 %, über die ganze Sonnenenergie des Sommers rund 1 %. Die senkrechte Achse ist ein Ausschnitt, darum steht „Ausschnitt“ in der Quelle; die Zeit von 1850 bis heute ist nicht maßstäblich, darum gestrichelt. An der Kurve steht nur „um 1850“, nicht „Hochstand“, sonst läse man einen Hochstand der Sonne. Die Zeit unter der Sonne zählt ab heute, auf 500 Jahre gerundet.

  12. Im Bild der Kasten: „Erwärmung weltweit seit 1850–1900: rund 1,1 °C (bis 2011–2020) · davon Sonne und Vulkane: −0,1 bis +0,1 °C“, Quelle im Bild „Weltklimarat (IPCC) 2021“.

    „Weltweit“ und der Zeitraum stehen im Bild, damit niemand die 1,1 °C für die Pasterze liest: Österreich ist deutlich stärker erwärmt, laut GeoSphere Austria bis 2023 um 2,9 °C. Die Aufteilung auf Sonne und Vulkane gibt der Weltklimarat nur bis 2010–2019, darum steht seine Zahl mit ihrem Zeitraum, obwohl die Erwärmung laut WMO inzwischen bei 1,34 bis 1,41 °C liegt.

  13. Im Bild die Eisränder der Pasterze mit ihren Jahren: zuerst „Eisrand 2009“ und „2022“, ab „und das Eis wuchs“ dazu „um 1850“, nach dem Sprung auf heute „1998“ und „2022“. Quelle im Bild: „Eisränder: Gletscherinventar Österreich“.

    Die Jahre sind die Aufnahmejahre der Pasterze in den Inventaren. „Um 1850“ ist der Hochstand, der je Gletscher in ein anderes Jahr fällt. Die Linien liegen auf Googles Gelände, die Jahreszahlen sitzen mit Höhen aus dem Geländemodell von geoland.at an ihrem Rand.

  14. Auf der Schlusstafel oben „knapp ein Drittel übrig“, darunter die Gletscher Österreichs im Umriss von um 1850 mit ihrem Eis von 2021 bis 2023, dazu „Gepatschferner 66 %“, „Pasterze 63 %“, „Ochsentaler Gletscher 52 %“, „Obersulzbachkees 52 %“ und „Hallstätter Gletscher 50 %“. Quellen im Bild: „Gletscherfläche Österreichs: Umriss um 1850, Eis 2021 bis 2023“ und „Daten: Österreichisches Gletscherinventar“.

    „Knapp ein Drittel“: 285 km² in den Jahren 2021 bis 2023 gegen 941 km² um 1850 sind 30,3 %, mit der Genauigkeit der Fläche um 1850 (±10 %) 27,6 bis 33,7 %. Die Prozent der fünf Gletscher sind eigene Auswertung der zwei Inventare: Fläche 2021 bis 2023 gegen Fläche um 1850, je Gletscher in seinem Umriss von um 1850, zerfallene Teile zusammengezählt. In den Ötztaler Alpen, wo der Gepatschferner liegt, enthält die Datei von um 1850 weniger Fläche als veröffentlicht; der Wert kann dort etwas zu hoch sein.

Literatur und Quellen

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