Quellen zum Video
Waren die Gletscher schon einmal kleiner?
Unter der Pasterze wuchsen einmal Zirben, die Gletscher waren also schon einmal kleiner. Das Video zeigt in einer Minute, im Tal der Pasterze selbst, warum es damals so war und warum das Eis heute trotzdem geht. Hier stehen seine Quellen, Aussage für Aussage.
Was das Video zeigt
Das Video beginnt mit Gustav Jägermayers Foto der Pasterze von 1863, deckungsgleich in Googles 3D von heute: Im Fenster springt das Tal zwischen dem Eis von 1863 und heute. Vor der Pasterze spült der Gletscherbach Holz und Torf heraus, Tausende Jahre alt, darunter Stämme von Zirben. Gefunden wird seit 1963 und wieder seit 1990, im September 2014 ein Zirbenstamm von 7,9 Metern. Wo die Bäume wuchsen, weiß niemand genau: Die Quellen legen die Stellen unter das heutige Eis, bis zu vier Kilometer talauf.
Die Gletscher waren also schon einmal kleiner. Die Pasterze war laut den Datierungen von Kurt Nicolussi und Kollegen wohl fast 7.000 Jahre lang kürzer als um 2010, von etwa 10.200 bis 3.500 Jahren vor heute. Der Grund war damals vor allem die Erdbahn, sie gab dem Sommer auf der Nordhalbkugel mehr Sonne. Mitte Juli kam über der Pasterze oben an der Atmosphäre vor rund 10.000 Jahren rund 9 % mehr Sonne an als heute, 495 statt 455 Watt je Quadratmeter.
Dann gab die Erdbahn dem Sommer weniger Sonne, und über Jahrtausende wuchsen die Gletscher, mit Rückzügen dazwischen. Um 1850 waren sie so groß wie seit Jahrtausenden nicht; diesen Gipfel trieben auch Vulkanausbrüche und eine schwache Sonne. Heute gibt die Erdbahn dem Sommer genauso wenig Sonne wie um 1850, 455,0 gegen 455,4 Watt je Quadratmeter. Und das Eis geht trotzdem: Das Fenster mit dem Foto von 1863 kehrt zurück und springt auf heute.
Damals lag es vor allem an der Erdbahn, diesmal nicht. Sonne und Vulkane haben die Temperatur der Erde seit 1850–1900 laut Weltklimarat nur um −0,1 bis +0,1 °C verändert, während sie bis 2011–2020 um rund 1,1 °C stieg, in Österreich bis 2023 um rund 2,9 °C. Dass die Gletscher seit den 1990er-Jahren schwinden, liegt laut Weltklimarat sehr wahrscheinlich vor allem am Menschen.
Am Schluss stehen die Gletscher Österreichs im Umriss von um 1850, darin ihr Eis von 2021 bis 2023. Zusammen ist knapp ein Drittel der Fläche übrig, so steht es oben auf der Tafel; von der Pasterze 63 %, vom Hallstätter Gletscher die Hälfte. Das Video fragt: Welcher Gletscher ist deiner? Und es dankt reinhardpaulseyer und Erich, deren Fragen aus den Kommentaren es beantwortet.
Die Bilder sind echt: Googles fotorealistisches 3D von heute, darin die Eisränder der Pasterze um 1850, 1998, 2009 und 2022 aus dem Österreichischen Gletscherinventar, dazu das Foto von 1863 aus der Albertina. Die Kurve der Julisonne ist eine eigene Rechnung aus den Bahnelementen von Berger und Loutre 1991, die Höhenlinien hinter der Schlusstafel kommen aus dem Geländemodell von geoland.at. Mit KI erzeugt sind nur die Stimme und die Geräusche.
Quellen und Bildnachweise
Daten
- Groß und Patzelt 2015, PANGAEA · Österreichisches Gletscherinventar, Hochstand der Kleinen Eiszeit (GI LIA) (CC BY 3.0) · Eisrand der Pasterze um 1850 und auf der Schlusstafel der Umriss jedes Gletschers um 1850, der Nenner der Prozente
- Kuhn u. a. 2015, PANGAEA · Österreichisches Gletscherinventar GI 2, 1998 (CC BY 3.0) · Eisrand der Pasterze 1998
- Fischer u. a. 2015, PANGAEA · Österreichisches Gletscherinventar GI 3, 2006 (CC BY 3.0) · Eisrand der Pasterze 2009 (die Glocknergruppe ist in GI 3 im Jahr 2009 erfasst)
- Hartig u. a. 2026, PANGAEA · Österreichisches Gletscherinventar GI 5, 2021 bis 2023 (CC BY 4.0) · Eisrand der Pasterze 2022 und auf der Schlusstafel das Eis jedes Gletschers 2021 bis 2023
- Berger und Loutre 1991, NOAA NCEI · Orbital Variations and Insolation Database: Bahnelemente der Erde, Lösung 1991 (Datei orbit91) (gemeinfrei (Public Domain)) · die Kurve der Julisonne: Sonne oben an der Atmosphäre Mitte Juli auf 47,1° Nord über 10.500 Jahre, eigene Rechnung aus den Bahnelementen
- Datenquelle: geoland.at (Länder Österreichs) · Digitales Geländemodell (DGM) Österreich, 10 m (CC BY 4.0) · Höhenlinien der Glocknergruppe hinter der Schlusstafel und die Höhe, auf der die Jahreszahlen an den Eisrändern in Googles 3D sitzen
Für den Film haben wir die Daten ausgeschnitten, umgerechnet und neu gezeichnet.
Google 3D
Die Pasterze heute: der Blick von der Franz-Josefs-Höhe, wo 1863 das Foto entstand (am Anfang und am Wendepunkt), die Fahrt über dem Pasterzensee talauf und zurück bis zur Margaritze und der Aufstieg über die ganze Zunge: Googles fotorealistisches 3D. Im Film steht die Nennung im Bild, solange Googles Bild zu sehen ist: Heute in 3D: Google Maps · Kartendaten: CNES / Airbus, Airbus, Maxar Technologies, Landsat / Copernicus, Data SIO, NOAA, U.S. Navy, NGA, GEBCO
Bild
- Gustav Jägermayer (Fotograf), Johannesberg mit Pasterze von der Franz-Josefs Höhe aus OSO, 1863. Albertina, Wien, Inv.-Nr. Foto2001/22/13. Lizenz: gemeinfrei (Public Domain). Änderung: Ausschnitt, um 3,13° gedreht und perspektivisch an Googles Kamera angepasst, als Fenster „1863“ deckungsgleich in Googles 3D von heute eingesetzt, vom selben Standpunkt (die Himmelslinie liegt im Median 0,1° neben der von Google); am Anfang springt das Fenster im Takt zwischen 1863 und heute, am Wendepunkt kehrt es zurück und springt bei „Und das Eis geht trotzdem“ auf heute.
KI, Stimme und Musik
Im Film ist nichts mit KI gemalt oder bewegt: Das Foto von 1863 ist echt, die Ansichten von heute sind Googles 3D, Eisränder, Kurve und Schlusstafel sind aus den Daten gezeichnet. Stimme und Geräusche sind mit KI erzeugt: die Stimme mit Gemini 3.8 Flash TTS („Charon“), die Geräusche (Gletscherbach, Höhenwind, knackendes Eis) mit ElevenLabs. Musik gibt es keine.
Jede Aussage des Films und ihre Belege
Unter der Pasterze wuchsen einmal Zirben.
- Slupetzky, Krisai und Lieb 1998, Wiss. Mitteilungen Nationalpark Hohe Tauern 4, S. 225: Stammteile zweier Zirben; die Bäume wuchsen „an einem unbekannten, heute noch vergletscherten Standort im Talbecken der jetzigen Pasterzenzunge“
- Slupetzky, Krisai und Lieb 1998, Wiss. Mitteilungen Nationalpark Hohe Tauern 4, S. 227: die Wuchsorte lagen geschätzt „zwischen ca. 0,5 km und 4 km weiter talauf“, auf 2.100 bis 2.300 m
- Nicolussi und Patzelt 2000, The Holocene 10, Zusammenfassung S. 191: Zirbe und Lärche, „washed out by the stream from under the present ice“
- Drescher-Schneider und Kellerer-Pirklbauer 2008, Abh. Geol. B.-A. 62, S. 47: auch der Torf der Funde von 2006 und 2007 kam von Stellen, „die derzeit noch unter Gletschereis und/oder unter Schutt verborgen sind“
Wo genau die Zirben wuchsen, weiß niemand: Alle Quellen legen die Stellen unter das heutige Eis. Darum sagt der Film „unter der Pasterze“, nicht „wo vor Kurzem noch Eis lag“; die Linien im Bild sind die Eisränder 2009 und 2022, keine Fundstellen. Ganz unabhängig sind die zwei Hauptquellen nicht: Sie beschreiben teils dieselben Funde, Slupetzky u. a. verweisen auf Nicolussis Jahrringdaten.
Jetzt spült das Schmelzwasser ihr Holz heraus, Tausende Jahre alt.
- Slupetzky, Krisai und Lieb 1998, Wiss. Mitteilungen Nationalpark Hohe Tauern 4, S. 227: „Die Baum- und Torfreste wurden alle vom Gletscherbach herausgeschwemmt“
- Slupetzky, Krisai und Lieb 1998, Wiss. Mitteilungen Nationalpark Hohe Tauern 4, S. 225: Alter der Funde von 9.180 ± 80 bis 3.445 ± 70 Radiokarbonjahren vor heute
- Nicolussi und Patzelt 2000, Zusammenfassung S. 191: Holz und Torf aus dem frühen Holozän, 8100 bis 6900 v. Chr. und später
- Drescher-Schneider und Kellerer-Pirklbauer 2008, Abh. Geol. B.-A. 62, S. 46: erste subfossile Hölzer schon 1963, seit 1990 wieder Holz und Torf direkt vor der Zunge
- Nicolussi u. a., INQUA 2019, Zusammenfassung P-2451: an einer Stelle, die 2010 eisfrei wurde, Ablagerungen aus rund 7.100 bis 3.900 Jahren vor heute, daneben verlagerte Baumreste derselben Zeit
- wetter.at, 25. Juni 2015: „Nach 6.000 Jahren: Pasterze gibt Zirbe frei“ (ein Stamm von 7,9 m, im September 2014 entdeckt)
Gefunden wird seit 1963 und wieder seit 1990, während das Eis zurückgeht. Neben Zirben fanden Nicolussi und Patzelt auch Lärchen; der Film nennt die Zirbe, weil jede der Quellen sie nennt.
Ja, die Gletscher waren schon einmal kleiner. Aber warum?
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Kap. 2, S. 345: in der Nacheiszeit waren die Gletscher „at times smaller than at the end of the 20th century“ (hohes Vertrauen)
- Joerin u. a. 2006, The Holocene 16, Zusammenfassung S. 697: zwölf Zeiten, in denen Schweizer Gletscher kleiner waren als 1985
- Nicolussi u. a. 2020, Beitrag zur EGU-Tagung: Die Pasterze war wohl von etwa 10.200 bis 3.500 Jahren vor heute kürzer als um 2010
„Kleiner“ heißt in den Quellen: kleiner als am Ende des 20. Jahrhunderts, als 1985 oder als um 2010. Laut Weltklimarat sind die Gletscher der Nordhalbkugel an den meisten Orten auch heute noch größer als im frühen und mittleren Holozän (Kap. 2, S. 345).
Damals gab die Erdbahn dem Sommer mehr Sonne, und fast 7.000 Jahre lang war die Pasterze wohl kürzer als 2009. Im Bild die Quelle: „Pasterze wohl kürzer als 2009: Nicolussi u. a. 2020“.
- Nicolussi u. a. 2020, Beitrag zur EGU-Tagung „Always delayed?“: Nach rund 80 Datierungen war die Pasterze „probably at least from about 10.2 ka to about 3.5 ka continuously shorter compared to the extent around 2010 AD“
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Kap. 9, S. 1276: die kleinen Gletscher des frühen und mittleren Holozäns „could be attributed to high summer insolation (high confidence), unlike the current situation“; neue Chronologien bestätigen über Jahrtausende die „dominant role of orbital forcing“
- Nicolussi und Patzelt 2000, Zusammenfassung S. 191: Die Pasterze war 8100 bis 6900 v. Chr. kleiner als in den 1990er-Jahren, spätestens um 6300 v. Chr. wieder, ebenso um 4800 und 3800 v. Chr.
- Joerin u. a. 2006, Zusammenfassung S. 697: der Verlauf der Gletscher „in line with a continuous decrease of summer insolation“
„Wohl“ und „fast“ gehören dazu: Der Tagungsbeitrag schreibt „probably“, und 10.200 bis 3.500 Jahre sind 6.700 Jahre. Er vergleicht mit dem Stand um 2010, im Bild liegt der Eisrand von 2009 aus dem Gletscherinventar. Keine Quelle führt die Pasterze einzeln auf die Erdbahn zurück: Der Weltklimarat sagt es für die Gletscher der Nordhalbkugel, und die kurze Pasterze fällt in die Zeit der hohen Julisonne. „Erdbahn“ steht wie beim Weltklimarat („orbital forcing“) für die Bahn und die Neigung der Erdachse.
Dann gab sie dem Sommer weniger, und das Eis wuchs.
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Kap. 9, S. 1276: auf der Nordhalbkugel, „where summer insolation decreased during the Holocene“, wuchsen die Gletscher meist („glaciers generally waxed“)
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Kap. 2, S. 345: nach dem kleinsten Stand vor 8.000 bis 6.000 Jahren „glaciers expanded thereafter“, bis zur größten Ausdehnung zwischen der Mitte des 15. und dem Ende des 19. Jahrhunderts
- Joerin u. a. 2006, Zusammenfassung S. 697: nach 3.600 Jahren vor heute der Trend zu größeren Gletschern bis zur Kleinen Eiszeit, „in line with a continuous decrease of summer insolation“
- Solomina u. a. 2016, Quaternary Science Reviews 149, S. 83: Vom 13. bis ins frühe 19. Jahrhundert ließen stärkere Vulkanausbrüche die Gletscher wachsen, „perhaps aided by low solar irradiance forcing“
Ein Trend über Jahrtausende, mit Rückzügen dazwischen, etwa in der Römerzeit und im Mittelalter. Den Hochstand um 1850 trieben auch Vulkanausbrüche und eine schwache Sonne; darum sagt der Film nicht, die Erdbahn habe ihn gemacht, und zeigt keinen Pfeil von der Kurve zum Eis.
Um 1850 waren die Gletscher so groß wie seit Jahrtausenden nicht.
- Patzelt 2019, ANISA (Hallstätter Gletscher), S. 4: der Hallstätter Gletscher ist „seit mindestens 5000 Jahren nicht höher angestiegen als 1856 AD“
- Patzelt 2019, ANISA (Hallstätter Gletscher), S. 13: die Hochstandsperiode der Ostalpengletscher „ist allgemein zwischen 1850 und 1860 abzugrenzen“
- Schlüchter und Jörin 2004, Les Alpes 6/2004, S. 46: die Kleine Eiszeit brachte den größten Vorstoß der Alpengletscher in den letzten zehn Jahrtausenden
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Kap. 2, S. 345: die größte Ausdehnung der Gletscher zwischen der Mitte des 15. und dem Ende des 19. Jahrhunderts
Bewusst „die Gletscher“, nicht „die Pasterze“: Für sie allein ist es nicht belegt, sie reichte nach der Eiszeit bei zehn bis zwölf Hochständen jeweils bis zum Margaritzenfelsen (Slupetzky u. a. 1998, S. 226). Der Satz gilt für die Gletscher im Ganzen, nicht für jeden einzelnen: Manche früheren Vorstöße, auch in den Alpen, waren ähnlich groß wie die der Kleinen Eiszeit (Solomina u. a. 2016, S. 82 f.).
Heute gibt die Erdbahn dem Sommer genauso wenig Sonne wie um 1850.
- Eigene Rechnung aus den Bahnelementen von Berger und Loutre 1991 (NOAA, Datei orbit91): Sonne oben an der Atmosphäre Mitte Juli auf 47,1° Nord, um 1850 455,4 W/m², 1950 455,2, 2026 455,0; 2026 gegen 1850 −0,08 %
- Gegenrechnung mit Berger 1978 und mit heutigen Bahnelementen (NASA JPL, Tabelle 1, gültig 1800 bis 2050): ebenfalls rund −0,08 %; jedes Maß für den Sommer liegt 2026 innerhalb von 0,1 % des Werts um 1850
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Kap. 2, S. 297: Bahnänderungen verändern vor allem, wie die Sonne auf Jahreszeiten und Breiten verteilt ist; die Sommersonne auf 65° Nord schwankte im letzten Jahrtausend nur um 3,2 W/m²
Eine eigene Rechnung, mit zwei weiteren Lösungen für die Erdbahn nachgerechnet; sie gilt oben an der Atmosphäre, ohne Wolken. „So wenig wie seit über 10.000 Jahren nicht“ sagt der Film bewusst nicht: Für Mitte Juli wäre es wahr, zur Sonnwende nicht, und um 1850 war es schon genauso wahr.
Und das Eis geht trotzdem. Im Bild springt das Foto von 1863 auf heute, dann die Eisränder 1998 und 2022.
- Österreichisches Gletscherinventar GI 2 (Kuhn u. a. 2015, PANGAEA): Umriss der Pasterze 1998
- GI 3 (Fischer u. a. 2015, PANGAEA): Umriss der Pasterze 2009
- GI 5 (Hartig u. a. 2026, PANGAEA): Umriss der Pasterze 2022
- Hartl u. a. 2026, The Cryosphere 20: „accelerating glacier shrinkage and 31 % area loss within two decades“ in Österreich
- Solomina u. a. 2016, S. 83: Der heutige Rückgang „breaks a long-term trend of increased glacier activity“
„Trotzdem“ bezieht sich auf den Satz davor: dieselbe Julisonne aus der Erdbahn wie um 1850, als die Gletscher am größten waren.
Damals lag es vor allem an der Erdbahn. Diesmal nicht.
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Kap. 9, S. 1276: die kleinen Gletscher des frühen und mittleren Holozäns, „unlike the current situation“; über Jahrtausende die „dominant role of orbital forcing“
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Zusammenfassung, S. 5: A.1.3, natürliche Einflüsse, Sonne und Vulkane, veränderten die Temperatur der Erde von 1850–1900 bis 2010–2019 nur um −0,1 bis +0,1 °C
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Kap. 2, S. 297: der Beitrag der Sonne seit 1900 ist klein, unter rund 0,1 W/m²; über Jahrtausende schwankt ihre Strahlung um rund 1,5 W/m², etwa 0,1 % ihrer Stärke
- Schlüchter und Jörin 2004, Les Alpes 6/2004, S. 40: die Holz- und Torfphasen der Alpengletscher fallen nach den Autoren mit Zeiten erhöhter Sonnenaktivität zusammen
„Vor allem“, weil einzelne Phasen auch zu einer stärkeren Sonne passen. Der Film sagt „Erdbahn“, nicht „Sonne“: Die Sonne selbst schwankte über Jahrtausende nur um rund 0,1 %, die Julisonne auf 47° Nord durch die Erdbahn um rund 9 %. Mit „Sonne“ hörte man Sonnenaktivität, und die erklärt die großen Minima nicht.
Dass die Gletscher seit den 1990er-Jahren schwinden, liegt laut Weltklimarat sehr wahrscheinlich vor allem am Menschen.
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Zusammenfassung, S. 5: A.1.5, der Einfluss des Menschen ist „very likely the main driver of the global retreat of glaciers since the 1990s“; Fußnote 12: „main driver“ heißt mehr als 50 % der Änderung
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Kap. 9, S. 1276: gleichlautend für den weltweiten, fast überall gleichzeitigen Rückgang seit den 1990er-Jahren
- Roe, Christian und Marzeion 2021, The Cryosphere 15: Seit Beginn der Industrialisierung ist der menschliche Anteil am Massenverlust der Gletscher „essentially 100 %“
- Marzeion u. a. 2014, Science 345: von 1991 bis 2010 rund 69 ± 24 % menschlich
Die Zeitangabe hängt am Rückgang, nicht an der Ursache: Über die Zeit vor 1990 sagt der Satz, wie der Weltklimarat, nichts. „Sehr wahrscheinlich“ ist seine Stufe „very likely“, „vor allem“ heißt „main driver“, also mehr als die Hälfte; gemeint ist der weltweite Rückgang. „Die Gletscher“ statt „sie“, weil „sie“ nach dem Satz davor die Erdbahn wäre. Die zwei Studien gehen in die Bewertung des Weltklimarats ein, ganz unabhängig von ihm sind sie nicht.
Im Bild die Kurve „Julisonne aus der Erdbahn“: links „rund 9 % mehr“, an ihrer Spitze eine Sonne mit der Zeit darunter, von „vor 10.500 Jahren“ bis „vor 1.000 Jahren“, dann „um 1850“, gestrichelt weiter bis „heute“, darüber „genauso wenig“. Quelle im Bild: „Julisonne: 47° Nord, Ausschnitt, Berger und Loutre 1991“.
- Eigene Rechnung aus den Bahnelementen von Berger und Loutre 1991 (NOAA, Datei orbit91): Mitte Juli, 47,1° Nord, oben an der Atmosphäre; Höchstwert 495,4 W/m² vor rund 10.000 Jahren, um 1850 455,4, heute 455,0, also rund 9 % mehr
- Berger und Loutre 1991, Quaternary Science Reviews 10, S. 297–317: die Lösung für die Erdbahn, die der Weltklimarat für genaue Bahnrechnungen nennt (Kap. 2, S. 297)
- Gegenrechnung mit der älteren Lösung Berger 1978 aus derselben Datenbank (Dateien bein1 bis bein11): 8,6 % statt 8,8 % gegen 1950, „rund 9 %“ gilt für beide
„Julisonne“, nicht „Sommersonne“: Die 9 % gelten für Mitte Juli; über Juni bis August sind es rund 6 %, über die ganze Sonnenenergie des Sommers rund 1 %. Die senkrechte Achse ist ein Ausschnitt, darum steht „Ausschnitt“ in der Quelle; die Zeit von 1850 bis heute ist nicht maßstäblich, darum gestrichelt. An der Kurve steht nur „um 1850“, nicht „Hochstand“, sonst läse man einen Hochstand der Sonne. Die Zeit unter der Sonne zählt ab heute, auf 500 Jahre gerundet.
Im Bild der Kasten: „Erwärmung weltweit seit 1850–1900: rund 1,1 °C (bis 2011–2020) · davon Sonne und Vulkane: −0,1 bis +0,1 °C“, Quelle im Bild „Weltklimarat (IPCC) 2021“.
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Zusammenfassung, S. 5: A.1.2, „1.09 [0.95 to 1.20] °C higher in 2011–2020 than 1850–1900“
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Zusammenfassung, S. 5: A.1.3, natürliche Einflüsse veränderten die Temperatur von 1850–1900 bis 2010–2019 um −0,1 bis +0,1 °C, der Mensch um 1,07 °C (beste Schätzung)
- GeoSphere Austria, CCCA Fact Sheet 50 (2024), S. 1: Österreich hat sich von 1851–1900 bis 2023 „um 2,9 °C erwärmt“
- APCC 2025, Zweiter Österreichischer Sachstandsbericht zum Klimawandel, Kernaussagen, S. 2: Österreich liegt „um rund 3,1 °C über dem Niveau der vorindustriellen Zeit (1850–1900)“
- WMO, 19. März 2025: Die langfristige Erwärmung der Erde liegt inzwischen „between 1.34 and 1.41 °C“
„Weltweit“ und der Zeitraum stehen im Bild, damit niemand die 1,1 °C für die Pasterze liest: Österreich ist deutlich stärker erwärmt, laut GeoSphere Austria bis 2023 um 2,9 °C. Die Aufteilung auf Sonne und Vulkane gibt der Weltklimarat nur bis 2010–2019, darum steht seine Zahl mit ihrem Zeitraum, obwohl die Erwärmung laut WMO inzwischen bei 1,34 bis 1,41 °C liegt.
Im Bild die Eisränder der Pasterze mit ihren Jahren: zuerst „Eisrand 2009“ und „2022“, ab „und das Eis wuchs“ dazu „um 1850“, nach dem Sprung auf heute „1998“ und „2022“. Quelle im Bild: „Eisränder: Gletscherinventar Österreich“.
- Österreichisches Gletscherinventar GI LIA (Groß und Patzelt 2015, PANGAEA): Umriss der Pasterze beim Hochstand der Kleinen Eiszeit
- GI 2 (Kuhn u. a. 2015, PANGAEA): die Pasterze 1998
- GI 3 (Fischer u. a. 2015, PANGAEA): die Glocknergruppe 2009
- GI 5 (Hartig u. a. 2026, PANGAEA): die Pasterze 2022
- Fischer u. a. 2015, The Cryosphere 9, S. 763: der Hochstand der Kleinen Eiszeit fiel nicht überall gleichzeitig, in Extremfällen „several decades“ neben 1850
Die Jahre sind die Aufnahmejahre der Pasterze in den Inventaren. „Um 1850“ ist der Hochstand, der je Gletscher in ein anderes Jahr fällt. Die Linien liegen auf Googles Gelände, die Jahreszahlen sitzen mit Höhen aus dem Geländemodell von geoland.at an ihrem Rand.
Auf der Schlusstafel oben „knapp ein Drittel übrig“, darunter die Gletscher Österreichs im Umriss von um 1850 mit ihrem Eis von 2021 bis 2023, dazu „Gepatschferner 66 %“, „Pasterze 63 %“, „Ochsentaler Gletscher 52 %“, „Obersulzbachkees 52 %“ und „Hallstätter Gletscher 50 %“. Quellen im Bild: „Gletscherfläche Österreichs: Umriss um 1850, Eis 2021 bis 2023“ und „Daten: Österreichisches Gletscherinventar“.
- GI LIA (Groß und Patzelt 2015, PANGAEA): die Umrisse um 1850
- GI 5 (Hartig u. a. 2026, PANGAEA): das Eis 2021 bis 2023
- Fischer u. a. 2015, The Cryosphere 9, S. 759: Österreichs Gletscher um 1850: 941,1 km²
- Fischer u. a. 2015, The Cryosphere 9, S. 763: die Fläche um 1850 ist auf rund ±10 % genau
- Hartl u. a. 2026, The Cryosphere 20: 799 Gletscher mit 285 ± 12 km² in den Jahren 2021 bis 2023
„Knapp ein Drittel“: 285 km² in den Jahren 2021 bis 2023 gegen 941 km² um 1850 sind 30,3 %, mit der Genauigkeit der Fläche um 1850 (±10 %) 27,6 bis 33,7 %. Die Prozent der fünf Gletscher sind eigene Auswertung der zwei Inventare: Fläche 2021 bis 2023 gegen Fläche um 1850, je Gletscher in seinem Umriss von um 1850, zerfallene Teile zusammengezählt. In den Ötztaler Alpen, wo der Gepatschferner liegt, enthält die Datei von um 1850 weniger Fläche als veröffentlicht; der Wert kann dort etwas zu hoch sein.
Literatur und Quellen
- Heinz Slupetzky, Robert Krisai und Gerhard Karl Lieb: Hinweise auf kleinere Gletscherstände der Pasterze (Nationalpark Hohe Tauern, Kärnten) im Postglazial. Ergebnisse von 14C-Datierungen und Pollenanalysen, Wissenschaftliche Mitteilungen aus dem Nationalpark Hohe Tauern 4, 1998, S. 225–240
- Kurt Nicolussi und Gernot Patzelt: Discovery of early Holocene wood and peat on the forefield of the Pasterze Glacier, Eastern Alps, Austria, The Holocene 10, 2000, S. 191–199
- Kurt Nicolussi, Matthias Dusch, Ruth Drescher-Schneider, Andreas Kellerer-Pirklbauer und Fabien Maussion: Always delayed? Holocene and current evolution of Pasterze Glacier, Austria, EGU General Assembly 2020, EGU2020-9317 (CC BY 4.0)
- Kurt Nicolussi, Ruth Drescher-Schneider, Andreas Kellerer-Pirklbauer, Melaine Le Roy und Christian Schlüchter: Glacier evolution in the Alps during the early and mid-Holocene. New results from Tschierva and Pasterze glaciers, INQUA 2019, Abstract P-2451
- Ruth Drescher-Schneider und Andreas Kellerer-Pirklbauer: Gletscherschwund einst und heute. Neue Ergebnisse zur holozänen Vegetations- und Gletschergeschichte der Pasterze (Hohe Tauern, Österreich), Abhandlungen der Geologischen Bundesanstalt 62, 2008, S. 45–51
- Ulrich E. Joerin, Thomas F. Stocker und Christian Schlüchter: Multicentury glacier fluctuations in the Swiss Alps during the Holocene, The Holocene 16, 2006, S. 697–704
- Christian Schlüchter und Ueli Jörin: Les Alpes sans glacier? Le bois et la tourbe, des indicateurs de climat, Les Alpes 6/2004, S. 34–47 (französische Fassung von „Alpen ohne Gletscher?“, Die Alpen 6/2004)
- Gernot Patzelt: Die prähistorische Gletscher- und Vegetationsentwicklung im Bereich des Hallstätter Gletschers (Dachsteingruppe), Forschungsberichte der ANISA 9, 2019
- Olga N. Solomina u. a.: Glacier fluctuations during the past 2000 years, Quaternary Science Reviews 149, 2016, S. 61–90
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Sechster Sachstandsbericht, Bericht der Arbeitsgruppe I: Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung (A.1.2, A.1.3, A.1.5)
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Kap. 2: Changing State of the Climate System (S. 297 und 345)
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Kap. 9: Ocean, Cryosphere and Sea Level Change (S. 1276)
- Gerard H. Roe, John Erich Christian und Ben Marzeion: On the attribution of industrial-era glacier mass loss to anthropogenic climate change, The Cryosphere 15, 2021, S. 1889–1905
- Ben Marzeion u. a.: Attribution of global glacier mass loss to anthropogenic and natural causes, Science 345, 2014, S. 919–921
- André Berger und Marie-France Loutre: Insolation values for the climate of the last 10 million years, Quaternary Science Reviews 10, 1991, S. 297–317; die Bahnelemente als Datensatz bei NOAA (Orbital Variations and Insolation Database, Datei orbit91)
- NASA Jet Propulsion Laboratory: Approximate Positions of the Planets, Tabelle 1 (1800 bis 2050), für die Gegenrechnung
- Andrea Fischer u. a.: Tracing glacier changes in Austria from the Little Ice Age to the present using a lidar-based high-resolution glacier inventory in Austria, The Cryosphere 9, 2015, S. 753–766
- Lea Hartl u. a.: On thin glacial ice. New Austrian Glacier Inventory shows accelerating glacier shrinkage and 31 % area loss within two decades, The Cryosphere 20, 2026, S. 5157–5180
- GeoSphere Austria (Barbara Chimani u. a.): Bestimmung der aktuellen Klimaerwärmung für Österreich, CCCA Fact Sheet 50, Dezember 2024
- Austrian Panel on Climate Change (APCC): Zweiter Österreichischer Sachstandsbericht zum Klimawandel (AAR2), Kernaussagen, Juni 2025
- WMO, 19. März 2025: WMO report documents spiralling weather and climate impacts
- wetter.at, 25. Juni 2015: Nach 6.000 Jahren: Pasterze gibt Zirbe frei