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Quellen zum Video

Innsbruck ohne Menschen

Was wäre, wenn es auf einmal keine Menschen mehr gäbe, nirgends auf der Welt? Das Video zeigt Innsbruck nach 30, 100 und 300 Jahren, gemalt nach den Karten des Landes Tirol und nach Fotos vom Goldenen Dachl, vom Inn und vom Stift Wilten: Der Wald wächst von dort in die Stadt, wo er heute steht, und das Hochwasser steht, wo die amtliche Karte Wasser zeigt. Hier stehen seine Quellen, Aussage für Aussage.

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Video · 1:08 · mit Ton

Was das Video zeigt

Zuerst bleibt das Licht an, auch am Goldenen Dachl. Im Alltag läuft das Stromnetz ohne Eingriff, bei großen Störungen griffen bisher aber Menschen in den Warten ein, zuletzt im Jänner 2021, als das europäische Netz in zwei Teile zerfiel. Wie lange ein Netz ganz ohne Menschen läuft, hat niemand erprobt, darum nennt das Video keine Stunde. Im ersten Winter ohne Heizung platzen unter den Dächern die ersten Wasserrohre.

Die Luft wird klarer, und trotzdem wird die Erde zuerst wärmer: Der Dunst aus Abgasen, der heute einen Teil der Erwärmung verdeckt, regnet in wenigen Wochen aus. Nach Modellrechnungen steigt die Temperatur darum zuerst noch etwas und sinkt dann über Jahrzehnte langsam. Eine Gradzahl nennt das Video nicht, die Kurve im Bild ist schematisch.

Bald sind die Dachrinnen voll Laub, darin keimen Birken, und der Regen läuft in die Mauern. Der Wald ist dabei nah: 98 von 100 Gebäuden in Innsbruck stehen keinen Kilometer vom Waldrand, gerechnet für jeden Adresspunkt mit der Waldkarte des Landes. In den Bildern wächst darum zuerst zu, was dem Wald am nächsten liegt.

Irgendwann tritt der Inn über die Ufer. Der Gefahrenzonenplan rechnet mit einem Hochwasser, das im Schnitt einmal in 300 Jahren kommt, und zeigt dafür vor dem Goldenen Dachl 0,8 bis 1 Meter Wasser, Richtung Inn bis 1,5 Meter. Gerechnet ist die Karte für eine Stadt, deren Ufer und Mauern gepflegt werden.

Stehen bleiben vor allem dicke Mauern. Beim Stift Wilten stand im 4. Jahrhundert das Römerkastell Veldidena, mit Mauern von etwa 2,5 Metern. Abgetragen hat es nicht das Wetter, sondern der Mensch: Den größten Teil zerstörte der Bau der Eisenbahn, die letzten Steine gingen wohl in den Bau des Klosters. Fundamente liegen bis heute im Boden.

Die Bilder sind aus Daten gebaut. Aus dem Höhenmodell des Landes Tirol ist Innsbruck vom Hafelekar und vom Bergisel aus gerechnet, mit Wald, Häusern, Straßen, Gleisen und Flüssen dort, wo die Karten sie zeigen; nach dieser Vorlage hat eine KI die Zustände gemalt. Die nahen Ansichten sind nach Fotos von Leonhard Lenz (CC0) und Luftschiffhafen (CC BY-SA 4.0) gemalt, der Blick vom Bergisel heute ist Googles 3D, unverändert. Am Schluss fragt das Video, welche Stadt wir als Nächstes machen sollen.

Quellen und Bildnachweise

Daten

Für den Film haben wir die Daten ausgeschnitten, umgerechnet und neu gezeichnet.

Google 3D

Innsbruck heute, der Blick vom Bergisel über das Stift Wilten auf die Stadt und die Nordkette: nach dem ersten Satz und am Schluss unter der Frage: Googles fotorealistisches 3D. Im Film steht die Nennung im Bild, solange Googles Bild zu sehen ist: Heute in 3D: Google Maps · Kartendaten: Airbus, Landsat / Copernicus

Bilder

  1. Leonhard Lenz, Goldenes Dachl Innsbruck 2026-05-07 02 (das Goldene Dachl bei Nacht), 7. Mai 2026. Wikimedia Commons. Lizenz: CC0 1.0. Änderung: Ausschnitt im Hochformat, langsamer Schub; die drei Passanten mit KI entfernt; danach mit KI dieselbe Ansicht ohne jedes Licht und im ersten Winter gemalt.
  2. Leonhard Lenz, Goldenes Dachl Innsbruck 2026-05-10 03 (die Herzog-Friedrich-Straße mit dem Goldenen Dachl), 10. Mai 2026. Wikimedia Commons. Lizenz: CC0 1.0. Änderung: Ausschnitt im Hochformat, Wischer vom Foto auf eine mit KI gemalte Ansicht nach 30 Jahren; später dieselbe Ansicht im Dreihundert-Jahre-Hochwasser, gemalt mit der Wassertiefe der amtlichen Karte entlang der Gasse.
  3. Leonhard Lenz, Inn seen from Innbrücke Innsbruck 2026-05-07 03 (den Inn von der Innbrücke flussaufwärts), 7. Mai 2026. Wikimedia Commons. Lizenz: CC0 1.0. Änderung: Ausschnitt im Hochformat als Vorlage für zwei mit KI gemalte Ansichten: nach 30 Jahren und im Dreihundert-Jahre-Hochwasser nach den Tiefen der amtlichen Karte an dieser Stelle; das Foto selbst ist im Film nicht zu sehen.
  4. Luftschiffhafen, Stift Wilten von SO (das Stift Wilten von Südosten), 29. Juli 2022. Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 4.0. Änderung: Ausschnitt im Hochformat, Wischer vom Foto auf eine danach mit KI gemalte Ansicht nach 300 Jahren, langsamer Schub; die gemalte Ansicht steht wie das Foto unter CC BY-SA 4.0.

KI, Stimme und Musik

Mit KI gemalt (GPT Image 2.5) sind die Luftbilder vom Hafelekar (heute, bei Nacht mit und ohne Licht, nach 30 Jahren, im Hochwasser) und vom Bergisel (nach 30, 100 und 300 Jahren), das Goldene Dachl ohne Licht, im ersten Winter, nach 30 Jahren und im Hochwasser, der Inn nach 30 Jahren und im Hochwasser, das Stift Wilten nach 300 Jahren, ein Dachboden mit geplatztem Rohr und eine Dachrinne mit Birken; auf dem Nachtfoto sind die Passanten mit KI entfernt. Die Luftbilder folgen einer Vorlage aus den Daten des Landes Tirol: Wald, Häuser, Straßen, Gleise und Flüsse liegen dort, wo die Karten sie zeigen, und jedes Bild ist danach auf die gerechnete Ansicht ausgerichtet. Nicht mit KI bewegt, sondern gerechnet sind das Zuwachsen vom Waldrand her, das Ausgehen des Lichts, der Dunst, das Füllen der Hochwasserfläche, die Kamerafahrten mit der echten Entfernung jedes Bildpunkts und das Rückspulen. Stimme, Musik und Geräusche sind mit KI erzeugt: die Stimme mit Gemini 3.8 Flash TTS („Charon“), die Musik mit Lyria 3 Pro, die Geräusche (Wind, Rückspulen, Stadt bei Nacht, Netzausfall, Eis, Regen, Hochwasser, Wind in der Ruine) mit ElevenLabs.

Jede Aussage des Films und ihre Belege

  1. Das ist Innsbruck, dreihundert Jahre ohne Menschen. Im Bild: „Innsbruck, Jahr 300 · ohne Menschen, nirgends auf der Welt“.

    Ein Gedankenspiel, gemalt nach Daten, keine Vorhersage: Das Bild zeigt einen möglichen Zustand, und welches Haus wann fällt, kann niemand auf Jahrzehnte genau sagen. Zeitangaben aus Fernsehsendungen nimmt der Film nicht, sie sind nicht gemessen. „Nirgends auf der Welt“ steht im Bild, weil sonst niemand verstünde, warum das Netz ausfällt und die Erde wärmer wird: Auch in den Warten in Wien und in allen Kraftwerken ist niemand mehr. Von den Türmen der Basilika Wilten stehen im Bild nur Stümpfe, weil Innsbruck in der höchsten Erdbebenzone Österreichs liegt. Auch die Ruinen, die heute stehen, haben Menschen gesichert, die Burg Thaur seit dem späten 20. Jahrhundert.

  2. Und so sieht es heute aus. Was passiert dazwischen? Im Bild: „Heute · Innsbruck vom Bergisel“, Googles 3D.

    „Heute“ ist Googles fotorealistisches 3D. Jeden Zustand danach malt ein Bildmodell (GPT Image 2.5) in unser eigenes Bild, und zwar nur in die Flächen, die die Karte aus den Daten vorgibt; Straße, Bahn und Fluss haben eigene Flächen, damit nie eine Straße zum Fluss wird. Das Hochwasser setzt ein Tor nur in die amtliche Fläche, außerhalb ist das Bild pixelgenau das trockene. Gemalt bleibt gemalt: Bei jedem gemalten Bild steht im Film „KI-Bild“ in der Quellenzeile.

  3. Zuerst bleibt das Licht an. Bei großen Störungen griffen bisher Leute in den Warten ein. Ohne Menschen geht es irgendwann aus. Im ersten Winter danach platzen unter den Dächern die ersten Rohre. Im Bild: „Tag 1 · die erste Nacht“, „Das Stromnetz · ohne Menschen nie erprobt“ und „Der erste Winter · kein Mensch heizt“.

    Im Alltag hält die Automatik das Netz ohne jeden Eingriff, und den ersten Schlag einer großen Störung fängt sie in Sekunden ab; zurück auf 50 Hertz brachten das Netz 2006 und 2021 Menschen. Wie lange ein Netz ganz ohne Menschen läuft, hat nie jemand erprobt oder durchgerechnet, eine Studie dazu haben wir nicht gefunden. Darum sagt der Film „irgendwann“ und nennt keine Stunden. Spanien hatte 2025 eigene Umstände; der Fall zeigt, dass das Schalten schon mit Menschen zu spät kommen kann. Bei den Rohren steht bewusst „unter den Dächern“ und „die ersten“: Es frieren vor allem Leitungen in Dachböden, Außenwänden und Stiegenhäusern, kaum im Kern dicker Altbauten. Sie platzen auch, wenn kein Wasser mehr nachkommt, denn es steht schon in den Leitungen. Gemessen ist das für Innsbruck nicht, darum nennt der Film keine Zahl. Im Bild geht das Licht der Stadt Insel für Insel aus; diese Reihenfolge ist gezeichnet, nicht gemessen. Auf dem echten Nachtfoto des Goldenen Dachls sind die Passanten mit KI entfernt.

  4. Die Luft wird klarer, und trotzdem wird die Erde zuerst wärmer: Der Abgasdunst, der heute kühlt, regnet aus. Im Bild: „Die ersten Jahre · klarere Luft, zuerst wärmer“, dann eine Kurve „Temperatur der Erde, wenn alle Abgase enden“: „zuerst wärmer“, „dann langsam kühler“, „schematisch, nach Modellrechnungen (Dvorak 2022, IPCC)“.

    Die Richtung steht beim Weltklimarat und in der Zusammenfassung der Studie. Die Zahlen von Dvorak u. a., rund zwei Zehntelgrad und knapp zwei Jahrzehnte, haben wir nur im Preprint gelesen, die Verlagsfassung nicht im Volltext; darum zeigt der Film eine Kurve ohne Gradzahl und schreibt „schematisch, nach Modellrechnungen“ dazu. Der Dunst, der am Anfang über der Stadt liegt und dann geht, ist aus der Entfernung jedes Bildpunkts gerechnet; er zeigt das Wort „klarer“ und ist nicht gemessen. Die Studie setzt CO₂ auf null und alle anderen Emissionen auf den Stand von 1765, das kommt einer Welt ohne Menschen nahe. „Die Erde“, nicht Innsbruck: Für die Stadt hat niemand eine Zahl gerechnet, und zwei Zehntelgrad gingen in Innsbruck im Auf und Ab eines einzelnen Jahres unter. „Klarer“, nicht „klar“: Saharastaub, Pollen und natürlicher Dunst bleiben, und im Lockdown lag das Stickstoffdioxid ein gutes Drittel unter den Vorjahren, weg war es nicht. Die −36 % enthalten auch einen Rückgang von rund einem Fünftel, den es 2020 ohne Lockdown gab; die −59 % beim Ausstoß sind anders gerechnet, die beiden Zahlen lassen sich nicht gegeneinander stellen.

  5. Bald sind die Dachrinnen voll Laub, darin keimen Birken, und der Regen läuft in die Mauern. 98 von 100 Häusern stehen keinen Kilometer vom Waldrand. Im Bild: „Nach 30 Jahren · niemand räumt die Rinnen“ und „98 von 100 Häusern · keinen Kilometer vom Waldrand“.

    Die Dachrinnen sind Erfahrung aus der Baupraxis: Sie verstopfen nach ein bis drei Herbsten mit Laub, Moos und Flugstaub, unter Straßenbäumen schneller, und ab dann läuft das Wasser über die Fassade in die Wand. Eine Messung dazu haben wir nicht gefunden, darum nennt der Film keine Jahreszahl. Birken als erste Gehölze kennt man von Brachen wie Rheinelbe, dort auf Schotter, nicht im Dach. „Häuser“ steht für Adresspunkte von Gebäuden; weil darin auch Nebengebäude stecken, haben wir mit Hauptgebäuden allein gegengerechnet, ebenfalls 98 von 100. Gemessen ist der Abstand zur Waldkarte, nicht, wie schnell es zuwächst: Ufergehölze, Parks und Straßenbäume zählen dort nicht als Wald. Fünf Adresspunkte liegen außerhalb des Rasters am Nordkamm.

  6. Irgendwann tritt der Inn über die Ufer. Beim Dreihundert-Jahre-Hochwasser zeigt die Karte des Landes vor dem Goldenen Dachl knapp einen Meter Wasser. Im Bild: „Irgendwann · Hochwasser HQ300: im Schnitt alle 300 Jahre“ und „Am Goldenen Dachl · 0,8 bis 1 m Wasser“.

    „Zeigt die Karte“, nicht „steht“: Die Wassertiefe ist eine Modellrechnung im Gefahrenzonenplan, keine Messung. HQ300 heißt nicht, dass es genau alle 300 Jahre kommt, sondern im Schnitt einmal in 300 Jahren; in 100 Jahren kommt es mit rund 28 %, wenn das Klima bleibt, wie es war (eigene Rechnung: 1 − (1 − 1/300)¹⁰⁰). Die Karte rechnet mit dem heutigen Flussbett und gepflegten Ufern; nach Jahrhunderten ohne Pflege beschreibt keine heutige Karte mehr genau, wohin das Wasser geht. Darum steht das Wasser vom Hafelekar aus genau in der amtlichen Fläche des Inn; an der Innbrücke und am Goldenen Dachl hat das Bildmodell nach den Tiefen der Karte an dieser Stelle gemalt. Für 2005 sind drei amtliche Abflusswerte im Umlauf (1.511, 1.525 und 1.538 m³/s), also rund 1.500.

  7. Stehen bleiben vor allem dicke Mauern. Hier beim Stift Wilten stand schon eine Festung der Römer. Abgetragen hat sie nicht das Wetter, sondern der Mensch. Im Bild: „Nach 300 Jahren · Stift Wilten“ und am Ort ein Schild „Römerkastell Veldidena · 4. Jahrhundert“.

    „Beim Stift“, nicht bei der Basilika: Das Kastell lag nördlich des Stifts, ein kleiner Mauerrest steht südlich von Frauenanger 2; die Basilika liegt rund 275 m daneben, darum fährt die Kamera auf das Stift. Die Koordinate im Wikipedia-Kasten liegt rund 1,2 km zu weit westlich, die Lage im Film kommt aus den Adresspunkten. „Abgetragen“ heißt oberirdisch: Fundamente liegen noch im Boden. Sicher ist der Eisenbahnbau, dass die letzten Steine ins Kloster gingen, ist eine Vermutung („dürften“). „Vor allem dicke Mauern“, weil nur sie so lange stehen: Das Kastell hatte 2,5 m, die Burg Thaur hat 1,5 m. Den Bericht in Archaeology von 1959 konnten wir nur im Auszug lesen, die Seite war für uns nicht abrufbar.

Literatur und Quellen

So misst wohnwahn