Quellen zum Video
Innsbruck ohne Menschen
Was wäre, wenn es auf einmal keine Menschen mehr gäbe, nirgends auf der Welt? Das Video zeigt Innsbruck nach 30, 100 und 300 Jahren, gemalt nach den Karten des Landes Tirol und nach Fotos vom Goldenen Dachl, vom Inn und vom Stift Wilten: Der Wald wächst von dort in die Stadt, wo er heute steht, und das Hochwasser steht, wo die amtliche Karte Wasser zeigt. Hier stehen seine Quellen, Aussage für Aussage.
Was das Video zeigt
Zuerst bleibt das Licht an, auch am Goldenen Dachl. Im Alltag läuft das Stromnetz ohne Eingriff, bei großen Störungen griffen bisher aber Menschen in den Warten ein, zuletzt im Jänner 2021, als das europäische Netz in zwei Teile zerfiel. Wie lange ein Netz ganz ohne Menschen läuft, hat niemand erprobt, darum nennt das Video keine Stunde. Im ersten Winter ohne Heizung platzen unter den Dächern die ersten Wasserrohre.
Die Luft wird klarer, und trotzdem wird die Erde zuerst wärmer: Der Dunst aus Abgasen, der heute einen Teil der Erwärmung verdeckt, regnet in wenigen Wochen aus. Nach Modellrechnungen steigt die Temperatur darum zuerst noch etwas und sinkt dann über Jahrzehnte langsam. Eine Gradzahl nennt das Video nicht, die Kurve im Bild ist schematisch.
Bald sind die Dachrinnen voll Laub, darin keimen Birken, und der Regen läuft in die Mauern. Der Wald ist dabei nah: 98 von 100 Gebäuden in Innsbruck stehen keinen Kilometer vom Waldrand, gerechnet für jeden Adresspunkt mit der Waldkarte des Landes. In den Bildern wächst darum zuerst zu, was dem Wald am nächsten liegt.
Irgendwann tritt der Inn über die Ufer. Der Gefahrenzonenplan rechnet mit einem Hochwasser, das im Schnitt einmal in 300 Jahren kommt, und zeigt dafür vor dem Goldenen Dachl 0,8 bis 1 Meter Wasser, Richtung Inn bis 1,5 Meter. Gerechnet ist die Karte für eine Stadt, deren Ufer und Mauern gepflegt werden.
Stehen bleiben vor allem dicke Mauern. Beim Stift Wilten stand im 4. Jahrhundert das Römerkastell Veldidena, mit Mauern von etwa 2,5 Metern. Abgetragen hat es nicht das Wetter, sondern der Mensch: Den größten Teil zerstörte der Bau der Eisenbahn, die letzten Steine gingen wohl in den Bau des Klosters. Fundamente liegen bis heute im Boden.
Die Bilder sind aus Daten gebaut. Aus dem Höhenmodell des Landes Tirol ist Innsbruck vom Hafelekar und vom Bergisel aus gerechnet, mit Wald, Häusern, Straßen, Gleisen und Flüssen dort, wo die Karten sie zeigen; nach dieser Vorlage hat eine KI die Zustände gemalt. Die nahen Ansichten sind nach Fotos von Leonhard Lenz (CC0) und Luftschiffhafen (CC BY-SA 4.0) gemalt, der Blick vom Bergisel heute ist Googles 3D, unverändert. Am Schluss fragt das Video, welche Stadt wir als Nächstes machen sollen.
Quellen und Bildnachweise
Daten
- Datenquelle: Land Tirol – data.tirol.gv.at · Gefahrenzonen BWV Tirol (CC BY 4.0) · das Dreihundert-Jahre-Hochwasser (HQ300) des Inn: die Fläche, die sich vom Hafelekar aus füllt, und die Wassertiefe an der Innbrücke, vor dem Goldenen Dachl und entlang der Herzog-Friedrich-Straße
- Datenquelle: Land Tirol – data.tirol.gv.at · Digitales Geländemodell Tirol (CC BY 4.0) · Gelände und Oberfläche mit Häusern und Bäumen im 50-cm-Raster: daraus ist Innsbruck vom Hafelekar und vom Bergisel aus gerechnet, samt der Entfernung jedes Bildpunkts für die Kamerafahrten und den Dunst
- Datenquelle: Land Tirol – data.tirol.gv.at · Orthofoto Tirol (CC BY 4.0) · Farbe und Infrarot: was in jedem Bildpunkt Haus, Baum, Wiese oder Fels ist, als Vorlage für die gemalten Luftbilder
- Datenquelle: Land Tirol – data.tirol.gv.at · Waldflächen Tirol (CC BY 4.0) · der Wald von heute, der Abstand jedes Gebäudes zum Waldrand (98 von 100 keinen Kilometer) und die Reihenfolge, in der die Stadt im Bild zuwächst
- Datenquelle: Land Tirol – data.tirol.gv.at · Gebäude Tirol (CC BY 4.0) · die Adresspunkte aller Gebäude Innsbrucks samt Nebengebäuden, für den Abstand zum Wald und den Ort des Römerkastells beim Stift Wilten
- Datenquelle: Land Tirol – data.tirol.gv.at · Straßennetz Tirol (CC BY 4.0) · Straßen und Plätze in der Vorlage der gemalten Luftbilder, damit aus der Autobahn kein Fluss wird
- Datenquelle: Land Tirol – data.tirol.gv.at · Bahn (Kartendienst Infrastruktur, Ebene 51) (CC BY 4.0) · die Gleise in der Vorlage der gemalten Luftbilder
- Datenquelle: Land Tirol – data.tirol.gv.at · Öffentliches Wassergut (Kartendienst Wasser, Ebene 57) (CC BY 4.0) · das Bett von Inn und Sill in der Vorlage der gemalten Luftbilder
- Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, verfügbar unter der Open Database License (ODbL), openstreetmap.org/copyright · Bahnhofs- und Gleisflächen in der Vorlage der gemalten Luftbilder
Für den Film haben wir die Daten ausgeschnitten, umgerechnet und neu gezeichnet.
Google 3D
Innsbruck heute, der Blick vom Bergisel über das Stift Wilten auf die Stadt und die Nordkette: nach dem ersten Satz und am Schluss unter der Frage: Googles fotorealistisches 3D. Im Film steht die Nennung im Bild, solange Googles Bild zu sehen ist: Heute in 3D: Google Maps · Kartendaten: Airbus, Landsat / Copernicus
Bilder
- Leonhard Lenz, Goldenes Dachl Innsbruck 2026-05-07 02 (das Goldene Dachl bei Nacht), 7. Mai 2026. Wikimedia Commons. Lizenz: CC0 1.0. Änderung: Ausschnitt im Hochformat, langsamer Schub; die drei Passanten mit KI entfernt; danach mit KI dieselbe Ansicht ohne jedes Licht und im ersten Winter gemalt.
- Leonhard Lenz, Goldenes Dachl Innsbruck 2026-05-10 03 (die Herzog-Friedrich-Straße mit dem Goldenen Dachl), 10. Mai 2026. Wikimedia Commons. Lizenz: CC0 1.0. Änderung: Ausschnitt im Hochformat, Wischer vom Foto auf eine mit KI gemalte Ansicht nach 30 Jahren; später dieselbe Ansicht im Dreihundert-Jahre-Hochwasser, gemalt mit der Wassertiefe der amtlichen Karte entlang der Gasse.
- Leonhard Lenz, Inn seen from Innbrücke Innsbruck 2026-05-07 03 (den Inn von der Innbrücke flussaufwärts), 7. Mai 2026. Wikimedia Commons. Lizenz: CC0 1.0. Änderung: Ausschnitt im Hochformat als Vorlage für zwei mit KI gemalte Ansichten: nach 30 Jahren und im Dreihundert-Jahre-Hochwasser nach den Tiefen der amtlichen Karte an dieser Stelle; das Foto selbst ist im Film nicht zu sehen.
- Luftschiffhafen, Stift Wilten von SO (das Stift Wilten von Südosten), 29. Juli 2022. Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 4.0. Änderung: Ausschnitt im Hochformat, Wischer vom Foto auf eine danach mit KI gemalte Ansicht nach 300 Jahren, langsamer Schub; die gemalte Ansicht steht wie das Foto unter CC BY-SA 4.0.
KI, Stimme und Musik
Mit KI gemalt (GPT Image 2.5) sind die Luftbilder vom Hafelekar (heute, bei Nacht mit und ohne Licht, nach 30 Jahren, im Hochwasser) und vom Bergisel (nach 30, 100 und 300 Jahren), das Goldene Dachl ohne Licht, im ersten Winter, nach 30 Jahren und im Hochwasser, der Inn nach 30 Jahren und im Hochwasser, das Stift Wilten nach 300 Jahren, ein Dachboden mit geplatztem Rohr und eine Dachrinne mit Birken; auf dem Nachtfoto sind die Passanten mit KI entfernt. Die Luftbilder folgen einer Vorlage aus den Daten des Landes Tirol: Wald, Häuser, Straßen, Gleise und Flüsse liegen dort, wo die Karten sie zeigen, und jedes Bild ist danach auf die gerechnete Ansicht ausgerichtet. Nicht mit KI bewegt, sondern gerechnet sind das Zuwachsen vom Waldrand her, das Ausgehen des Lichts, der Dunst, das Füllen der Hochwasserfläche, die Kamerafahrten mit der echten Entfernung jedes Bildpunkts und das Rückspulen. Stimme, Musik und Geräusche sind mit KI erzeugt: die Stimme mit Gemini 3.8 Flash TTS („Charon“), die Musik mit Lyria 3 Pro, die Geräusche (Wind, Rückspulen, Stadt bei Nacht, Netzausfall, Eis, Regen, Hochwasser, Wind in der Ruine) mit ElevenLabs.
Jede Aussage des Films und ihre Belege
Das ist Innsbruck, dreihundert Jahre ohne Menschen. Im Bild: „Innsbruck, Jahr 300 · ohne Menschen, nirgends auf der Welt“.
- So ist der Zustand gemalt: Aus dem Oberflächen- und Geländemodell des Landes Tirol rechnen wir ein eigenes Bild samt einer Karte der Flächen (Gebäude, Wald, Fluss, Straße, Bahn, Grün), und ein Bildmodell malt nur in diese Flächen. Nach 300 Jahren steht dort Wald auf überwachsenen Schutthügeln, als Ruinen bleiben nur die dicksten alten Mauern (Teile der Altstadt, große Kirchen, Hofburg, Stift), Kirchtürme nur als Stümpfe
- Wikipedia, Burgruine Thaur: die Burg gleich neben Innsbruck wurde Ende des 16. Jahrhunderts dem Verfall überlassen, „eine Erdbebenserie von 1670“ machte sie „weitgehend zur Ruine“; heute steht noch ein gut 10 m hoher Mauerzahn, die Mauer rund 1,5 m dick
- GeoSphere Austria, Karte der Referenz-Bodenbeschleunigung nach ÖNORM B 1998-1: Innsbruck liegt in Zone 4, der höchsten Österreichs; das Beben, mit dem die Norm rechnet, kommt im Mittel einmal in 475 Jahren, in 300 Jahren mit rund 47 % (eigene Rechnung: 1 − (1 − 1/475)³⁰⁰)
- Europäischer Katalog der vorinstrumentellen Erdbeben EPICA v1.1, eigene Abfrage für den Raum Innsbruck von 1500 bis 1900: die stärksten Beben am 22. Dezember 1689 in Innsbruck (Magnitude 5,65) und am 17. Juli 1670 in Hall (5,46)
- Lenhardt 2003, Entwicklung der Erdbebenerfassung in Tirol (Geologische Bundesanstalt): beim Beben von 1670 stürzte in Hall der Pfarrturm ein, nach einem zeitgenössischen Bericht
Ein Gedankenspiel, gemalt nach Daten, keine Vorhersage: Das Bild zeigt einen möglichen Zustand, und welches Haus wann fällt, kann niemand auf Jahrzehnte genau sagen. Zeitangaben aus Fernsehsendungen nimmt der Film nicht, sie sind nicht gemessen. „Nirgends auf der Welt“ steht im Bild, weil sonst niemand verstünde, warum das Netz ausfällt und die Erde wärmer wird: Auch in den Warten in Wien und in allen Kraftwerken ist niemand mehr. Von den Türmen der Basilika Wilten stehen im Bild nur Stümpfe, weil Innsbruck in der höchsten Erdbebenzone Österreichs liegt. Auch die Ruinen, die heute stehen, haben Menschen gesichert, die Burg Thaur seit dem späten 20. Jahrhundert.
Und so sieht es heute aus. Was passiert dazwischen? Im Bild: „Heute · Innsbruck vom Bergisel“, Googles 3D.
- Land Tirol, Geländedienst: Oberflächen- und Geländemodell (50 cm, für unser Bild auf 3 m gemittelt); daraus rechnen wir ein eigenes Bild mit derselben Kamera wie Googles 3D, seine Kammlinien liegen auf denen von Google
- Land Tirol, Orthofoto-Dienst: Luftbild 2025 in Farbe und Infrarot, für die Oberfläche unseres eigenen Bilds
- Land Tirol, Waldlayer plangenau (Stand 19.2.2026): wo heute Wald steht; von seinem Rand aus wächst die Stadt in den Übergängen zu, in der Reihenfolge des echten Abstands
- Land Tirol, Wassertiefe HQ300: die einzige Fläche, in der im Film Hochwasser steht
„Heute“ ist Googles fotorealistisches 3D. Jeden Zustand danach malt ein Bildmodell (GPT Image 2.5) in unser eigenes Bild, und zwar nur in die Flächen, die die Karte aus den Daten vorgibt; Straße, Bahn und Fluss haben eigene Flächen, damit nie eine Straße zum Fluss wird. Das Hochwasser setzt ein Tor nur in die amtliche Fläche, außerhalb ist das Bild pixelgenau das trockene. Gemalt bleibt gemalt: Bei jedem gemalten Bild steht im Film „KI-Bild“ in der Quellenzeile.
Zuerst bleibt das Licht an. Bei großen Störungen griffen bisher Leute in den Warten ein. Ohne Menschen geht es irgendwann aus. Im ersten Winter danach platzen unter den Dächern die ersten Rohre. Im Bild: „Tag 1 · die erste Nacht“, „Das Stromnetz · ohne Menschen nie erprobt“ und „Der erste Winter · kein Mensch heizt“.
- UCTE, Final Report zur Netzstörung vom 4. November 2006, S. 6: Europas Netz zerfiel in drei Teile; einen Blackout in ganz Europa verhinderten automatische Gegenmaßnahmen „and additional manual actions by TSOs a few minutes after the splitting“, wieder verbunden war alles nach 38 Minuten
- UCTE, Final Report 2006, S. 27: um die Frequenz wieder auf 50 Hz zu bringen, fuhren die Netzbetreiber im Westteil von Hand rund 16.800 MW Kraftwerke an, bei rund 18.500 MW gemeldeter Reserve, also „almost all available reserves“
- APG, Frequenzabfall im Europäischen Stromnetz am 8.1.2021, S. 1 f.: Österreich lag in der westlichen Insel, die Frequenz fiel auf 49,74 Hz; stabilisiert wurde sie durch automatische Schutzeinrichtungen und „das unverzügliche Eingreifen aller Übertragungsnetzbetreiber durch deren Wartenpersonal“
- ENTSO-E, Expertengremium zum Blackout in Spanien und Portugal am 28. April 2025, Präsentation zum Abschlussbericht vom 20. März 2026, Folien 6 und 19: der erste Blackout dieser Art, durch Überspannung; die Drosselspulen zur Spannungshaltung werden in Spanien von Hand geschaltet, ein Teil „could not be connected in time due to needed processing time for manual switching“
- E-Control, TOR Erzeuger Typ A, Version 1.2, S. 33: nach einer Trennung vom Netz darf sich eine Anlage automatisch nur wieder zuschalten, wenn im Netz Spannung (0,85 bis 1,09 der Nennspannung) und eine Frequenz zwischen 47,5 und 50,10 Hz anliegen; daraus folgt: ein totes Netz bleibt tot
- Generali, Allgemeine Bedingungen für die Leitungswasserversicherung (AWB-P 2016): sind bei Frost alle Personen „länger als 72 Stunden“ fort, muss die Heizung „im Abstand von maximal drei Tagen“ kontrolliert werden, sonst sind die Leitungen abzusperren und zu entleeren
- GeoSphere Austria, Tageswerte der Station Innsbruck Universität 1991–2020, eigene Rechnung: im Mittel 87,5 Frosttage und 11 Eistage (den ganzen Tag unter 0 °C) im Jahr, der längste Dauerfrost 14 Tage ab dem 1. Februar 2012
Im Alltag hält die Automatik das Netz ohne jeden Eingriff, und den ersten Schlag einer großen Störung fängt sie in Sekunden ab; zurück auf 50 Hertz brachten das Netz 2006 und 2021 Menschen. Wie lange ein Netz ganz ohne Menschen läuft, hat nie jemand erprobt oder durchgerechnet, eine Studie dazu haben wir nicht gefunden. Darum sagt der Film „irgendwann“ und nennt keine Stunden. Spanien hatte 2025 eigene Umstände; der Fall zeigt, dass das Schalten schon mit Menschen zu spät kommen kann. Bei den Rohren steht bewusst „unter den Dächern“ und „die ersten“: Es frieren vor allem Leitungen in Dachböden, Außenwänden und Stiegenhäusern, kaum im Kern dicker Altbauten. Sie platzen auch, wenn kein Wasser mehr nachkommt, denn es steht schon in den Leitungen. Gemessen ist das für Innsbruck nicht, darum nennt der Film keine Zahl. Im Bild geht das Licht der Stadt Insel für Insel aus; diese Reihenfolge ist gezeichnet, nicht gemessen. Auf dem echten Nachtfoto des Goldenen Dachls sind die Passanten mit KI entfernt.
Die Luft wird klarer, und trotzdem wird die Erde zuerst wärmer: Der Abgasdunst, der heute kühlt, regnet aus. Im Bild: „Die ersten Jahre · klarere Luft, zuerst wärmer“, dann eine Kurve „Temperatur der Erde, wenn alle Abgase enden“: „zuerst wärmer“, „dann langsam kühler“, „schematisch, nach Modellrechnungen (Dvorak 2022, IPCC)“.
- Weltklimarat (IPCC) 2018, Sonderbericht 1,5 °C globale Erwärmung, Kap. 1, Executive Summary, S. 51: „If all anthropogenic emissions (including aerosol-related) were reduced to zero immediately, any further warming beyond the 1°C already experienced would likely be less than 0.5°C over the next two to three decades (high confidence)“
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Bericht der Arbeitsgruppe I, Zusammenfassung, S. 5: A.1.3, „other human drivers (principally aerosols) contributed a cooling of 0.0°C to 0.8°C“
- Dvorak u. a. 2022, Nature Climate Change 12, S. 547–552, Zusammenfassung: enden alle Emissionen, kommt der Gipfel der Erwärmung binnen eines Jahrzehnts, danach sinkt die Temperatur langsam
- Dvorak u. a., Preprint 2021, S. 3 und 5: die Schwebeteilchen aus Verbrennung bleiben nur „days to weeks“ in der Luft; nach dem Ende aller Emissionen ist es im Median 0,22 °C wärmer als 2020, „with an overshoot that lasts for approximately 18 years“, und bis 2100 im Median 0,4 °C kühler als 2020
- Lamprecht u. a. 2021, Atmospheric Chemistry and Physics 21: im ersten Lockdown 2020, gemessen am Messturm der Universität in der Innenstadt, Verkehr −64 %, Ausstoß an Stickoxiden −59 %, CO₂ nur −38 %, weil die Heizungen weiterliefen
- Umweltbundesamt, Jahresbericht Luftgütemessungen in Österreich 2020 (REP-0755), Tabelle 26, S. 112: Stickstoffdioxid in Innsbruck Zentrum im ersten Lockdown (16. März bis 3. Mai 2020) −36 % gegen dieselben Wochen 2018 und 2019; aus den Stundenwerten der Europäischen Umweltagentur selbst nachgerechnet: −36,4 %
Die Richtung steht beim Weltklimarat und in der Zusammenfassung der Studie. Die Zahlen von Dvorak u. a., rund zwei Zehntelgrad und knapp zwei Jahrzehnte, haben wir nur im Preprint gelesen, die Verlagsfassung nicht im Volltext; darum zeigt der Film eine Kurve ohne Gradzahl und schreibt „schematisch, nach Modellrechnungen“ dazu. Der Dunst, der am Anfang über der Stadt liegt und dann geht, ist aus der Entfernung jedes Bildpunkts gerechnet; er zeigt das Wort „klarer“ und ist nicht gemessen. Die Studie setzt CO₂ auf null und alle anderen Emissionen auf den Stand von 1765, das kommt einer Welt ohne Menschen nahe. „Die Erde“, nicht Innsbruck: Für die Stadt hat niemand eine Zahl gerechnet, und zwei Zehntelgrad gingen in Innsbruck im Auf und Ab eines einzelnen Jahres unter. „Klarer“, nicht „klar“: Saharastaub, Pollen und natürlicher Dunst bleiben, und im Lockdown lag das Stickstoffdioxid ein gutes Drittel unter den Vorjahren, weg war es nicht. Die −36 % enthalten auch einen Rückgang von rund einem Fünftel, den es 2020 ohne Lockdown gab; die −59 % beim Ausstoß sind anders gerechnet, die beiden Zahlen lassen sich nicht gegeneinander stellen.
Bald sind die Dachrinnen voll Laub, darin keimen Birken, und der Regen läuft in die Mauern. 98 von 100 Häusern stehen keinen Kilometer vom Waldrand. Im Bild: „Nach 30 Jahren · niemand räumt die Rinnen“ und „98 von 100 Häusern · keinen Kilometer vom Waldrand“.
- Eigene Rechnung aus den Gebäude-Adresspunkten des Adressregisters (AGWR) beim Land Tirol: 16.843 Punkte in Innsbruck, davon 16.838 im Raster; je Punkt der Abstand zum nächsten Wald im 3-m-Raster, im Median 352 m, 98 % unter einem Kilometer
- Land Tirol, Waldlayer plangenau (Hochwald und forstliche Strauchflächen, Stand 19.2.2026): die Waldkarte, an der gemessen ist
- Gegenprobe auf denselben Punkten: nur Hauptgebäude (7.612 Punkte) ebenfalls 98,0 % unter einem Kilometer, ohne Nebengebäude, Garagen und Carports laut Gebäudeart 97,9 %
- Land Nordrhein-Westfalen, Pressemitteilung vom 23. August 2012 zur Industriebrache Rheinelbe: „Nach etwa 10 Jahren haben sich Birkenbusch, Sommerflieder, Brombeergestrüpp und die ersten Weiden etabliert“, nach 40 Jahren ein junger Wald vor allem aus Weiden, Pappeln und Birken
- Laćan, McBride und De Witt 2015, Urban Forestry & Urban Greening 14, Zusammenfassung: in der verlassenen Stadt Prypjat bei Tschernobyl bis zu 8.980 Keimlinge des Spitzahorns je Hektar, die Rosskastanie verjüngt sich gar nicht
Die Dachrinnen sind Erfahrung aus der Baupraxis: Sie verstopfen nach ein bis drei Herbsten mit Laub, Moos und Flugstaub, unter Straßenbäumen schneller, und ab dann läuft das Wasser über die Fassade in die Wand. Eine Messung dazu haben wir nicht gefunden, darum nennt der Film keine Jahreszahl. Birken als erste Gehölze kennt man von Brachen wie Rheinelbe, dort auf Schotter, nicht im Dach. „Häuser“ steht für Adresspunkte von Gebäuden; weil darin auch Nebengebäude stecken, haben wir mit Hauptgebäuden allein gegengerechnet, ebenfalls 98 von 100. Gemessen ist der Abstand zur Waldkarte, nicht, wie schnell es zuwächst: Ufergehölze, Parks und Straßenbäume zählen dort nicht als Wald. Fünf Adresspunkte liegen außerhalb des Rasters am Nordkamm.
Irgendwann tritt der Inn über die Ufer. Beim Dreihundert-Jahre-Hochwasser zeigt die Karte des Landes vor dem Goldenen Dachl knapp einen Meter Wasser. Im Bild: „Irgendwann · Hochwasser HQ300: im Schnitt alle 300 Jahre“ und „Am Goldenen Dachl · 0,8 bis 1 m Wasser“.
- Land Tirol, Gefahrenzonenplan Inn Innsbruck (Fluss-km 291,82 bis 305,44, Stand 12.4.2019), Wassertiefe HQ300, eigene Abfrage: vor Herzog-Friedrich-Straße 15 die Klasse 0,8–1,0 m, Richtung Inn bis 1,5 m, Richtung Süden flacher
- Gegenprobe im eigenen 3-m-Raster derselben Karte: am Goldenen Dachl die Klasse 0,8–1,0 m, im Umkreis von 30 m 0,4 bis 1,5 m; die Fläche gehört zum Inn, nicht zur Sill
- Stadt Innsbruck, Museum Goldenes Dachl: die Adresse Herzog-Friedrich-Straße 15
- Dieselbe Karte, eigene Abfrage an der Innbrücke für den Blick flussaufwärts: am Südufer 0,2 bis 1 m, am Nordufer ein schmaler Streifen mit 0,6 bis 1,5 m, die Häuser dahinter trocken
- Hydrographischer Dienst Tirol, Hydrologische Übersicht August 2005: am 23. August 2005 übertraf der Inn in Innsbruck mit 1.511 m³/s (vorläufiger Wert) „alle seit dem Jahre 1871 erfassten Hochwasserabflüsse“; „Kurz nach Mittag schwappt der Inn an einigen Stellen über die Mauern“
„Zeigt die Karte“, nicht „steht“: Die Wassertiefe ist eine Modellrechnung im Gefahrenzonenplan, keine Messung. HQ300 heißt nicht, dass es genau alle 300 Jahre kommt, sondern im Schnitt einmal in 300 Jahren; in 100 Jahren kommt es mit rund 28 %, wenn das Klima bleibt, wie es war (eigene Rechnung: 1 − (1 − 1/300)¹⁰⁰). Die Karte rechnet mit dem heutigen Flussbett und gepflegten Ufern; nach Jahrhunderten ohne Pflege beschreibt keine heutige Karte mehr genau, wohin das Wasser geht. Darum steht das Wasser vom Hafelekar aus genau in der amtlichen Fläche des Inn; an der Innbrücke und am Goldenen Dachl hat das Bildmodell nach den Tiefen der Karte an dieser Stelle gemalt. Für 2005 sind drei amtliche Abflusswerte im Umlauf (1.511, 1.525 und 1.538 m³/s), also rund 1.500.
Stehen bleiben vor allem dicke Mauern. Hier beim Stift Wilten stand schon eine Festung der Römer. Abgetragen hat sie nicht das Wetter, sondern der Mensch. Im Bild: „Nach 300 Jahren · Stift Wilten“ und am Ort ein Schild „Römerkastell Veldidena · 4. Jahrhundert“.
- Wikipedia, Veldidena: „Im 4. Jahrhundert wurde auch ein Kastell errichtet“; es stand „nördlich des Stifts Wilten“, die Umfassungsmauer 2,5 m breit, die Turmmauern 3 m stark
- Wikipedia, Veldidena: „Der Großteil des Lagers wurde beim Eisenbahnbau zerstört und ist heute oberirdisch nicht mehr sichtbar“; die letzten Reste „dürften im 10. Jahrhundert bei der Errichtung des Klosters abgetragen worden sein“ (nach Zemmer-Plank 1985, S. 33); bei der Verlegung der Westbahn 1953 bis 1955 kamen Teile des Fundaments zutage
- AEIOU Österreich-Lexikon, Veldidena: „Nördlich des Klosters Wilten befand sich das spätrömische Kastell“, ein Quadrat mit 72 m Seitenlänge, im 4. Jahrhundert als Versorgungsbasis errichtet
- Archaeology, Dezember 1959: Bericht über das neu gefundene Kastell in Wilten, erbaut erst um 300
- Wikipedia, Burgruine Thaur: nach dem Beben von 1670 steht ein gut 10 m hoher Mauerzahn bis heute, die Mauer rund 1,5 m dick
- Wikipedia, Heidentor (Carnuntum): das römische Tor aus dem 4. Jahrhundert steht nach rund 1.650 Jahren noch 13,4 und 14,8 m hoch, obwohl „jahrhundertelanger Steinraub und vor allem eine Sprengung mit Schwarzpulver“ es beschädigten; gestützt wird es seit 1850
„Beim Stift“, nicht bei der Basilika: Das Kastell lag nördlich des Stifts, ein kleiner Mauerrest steht südlich von Frauenanger 2; die Basilika liegt rund 275 m daneben, darum fährt die Kamera auf das Stift. Die Koordinate im Wikipedia-Kasten liegt rund 1,2 km zu weit westlich, die Lage im Film kommt aus den Adresspunkten. „Abgetragen“ heißt oberirdisch: Fundamente liegen noch im Boden. Sicher ist der Eisenbahnbau, dass die letzten Steine ins Kloster gingen, ist eine Vermutung („dürften“). „Vor allem dicke Mauern“, weil nur sie so lange stehen: Das Kastell hatte 2,5 m, die Burg Thaur hat 1,5 m. Den Bericht in Archaeology von 1959 konnten wir nur im Auszug lesen, die Seite war für uns nicht abrufbar.
Literatur und Quellen
- Wikipedia: Burgruine Thaur
- GeoSphere Austria: Referenz-Bodenbeschleunigung nach ÖNORM B 1998-1, Kartendienst
- Andrea Rovida, Andrea Antonucci und Mario Locati: Europäischer Katalog der vorinstrumentellen Erdbeben EPICA, Fassung 1.1, Earth System Science Data 14, 2022, S. 5213–5231
- W. A. Lenhardt: Entwicklung der Erdbebenerfassung in Tirol, Arbeitstagung 2003 der Geologischen Bundesanstalt, S. 171–175
- UCTE (Union for the Co-ordination of Transmission of Electricity): Final Report. System Disturbance on 4 November 2006, 30. Januar 2007 (Kopie der Universidad Carlos III de Madrid)
- Austrian Power Grid (APG): Frequenzabfall im Europäischen Stromnetz am 8.1.2021. Gesamtdarstellung inklusive Maßnahmen zur Sicherung der Stromversorgung, Presseinformation, 2021
- ENTSO-E, Expertengremium: Final Report. 28 April 2025 Blackout in Spain and Portugal, Präsentation für die Medien, 20. März 2026
- E-Control: TOR Erzeuger. Anschluss und Parallelbetrieb von Stromerzeugungsanlagen des Typs A und von Kleinsterzeugungsanlagen, Version 1.2, gültig ab 18. April 2022
- Generali Versicherung: Allgemeine Bedingungen für die Leitungswasserversicherung (AWB-P 2016)
- Weltklimarat (IPCC) 2018, Sonderbericht 1,5 °C globale Erwärmung, Kap. 1: Framing and Context (Executive Summary, S. 51)
- Weltklimarat (IPCC) 2021, Sechster Sachstandsbericht, Bericht der Arbeitsgruppe I: Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung (A.1.3)
- Michelle T. Dvorak, Kyle C. Armour, Dargan M. W. Frierson, Cristian Proistosescu, Marcia B. Baker und Christopher J. Smith: Estimating the timing of geophysical commitment to 1.5 and 2.0 °C of global warming, Nature Climate Change 12, 2022, S. 547–552
- Michelle T. Dvorak u. a.: When will the world be committed to 1.5 and 2.0 °C of global warming?, Preprint (Fassung vor der Begutachtung), Research Square, 1. November 2021 (CC BY 4.0)
- C. Lamprecht u. a.: Decoupling of urban CO₂ and air pollutant emission reductions during the European SARS-CoV-2 lockdown, Atmospheric Chemistry and Physics 21, 2021, S. 3091–3102
- Umweltbundesamt: Jahresbericht Luftgütemessungen in Österreich 2020 (REP-0755), Wien 2021
- Land Nordrhein-Westfalen, Pressemitteilung vom 23. August 2012: 5. Station Naturerbetour. Natur in der Stadt, Wälder auf ehemaligen Industrieflächen erhalten die Artenvielfalt in der Stadt
- Igor Laćan, Joe R. McBride und Duane De Witt: Urban forest condition and succession in the abandoned city of Pripyat, near Chernobyl, Ukraine, Urban Forestry & Urban Greening 14, 2015, S. 1068–1078
- Stadt Innsbruck: Museum Goldenes Dachl
- Hydrographischer Dienst Tirol: Hydrologische Übersicht August 2005
- Wikipedia: Veldidena
- AEIOU Österreich-Lexikon im Austria-Forum: Veldidena (nach E. Bruckmüller, Österreich-Lexikon, 2004)
- Archaeology (Archaeological Institute of America), Dezember 1959: Bericht über das Kastell Veldidena in Wilten
- Wikipedia: Heidentor (Carnuntum)