Quellen zum Video
Unter Wien: so tief es geht
Fast zwölf Meter unter dem Stephansplatz liegt eine Kapelle. Von dort geht das Video Schicht für Schicht nach unten, so tief es geht. Hier stehen die Quellen.
Was das Video zeigt
Gleich unter dem Pflaster stecken die Mauern der Magdalenenkapelle. Sie brannte 1781 ab, mit ihrem Schutt füllte man die Virgilkapelle darunter auf, einen Raum aus dem 13. Jahrhundert. Fast 200 Jahre war sie vergessen, 1973 grub man sie beim Bau der U-Bahn wieder aus. Ihr Boden liegt 11,5 m unter dem Platz.
Unter den Häusern rundum liegen alte Keller, manche zwei Stockwerke tief. Gleich daneben, unter dem Dom und einem Teil des Platzes, liegen die Katakomben: Von 1745 bis 1783 wurden dort über zehntausend Menschen bestattet. Wie tief sie liegen, steht nirgends verlässlich; die Domkirche nennt nur die Stufen.
Am Rand des Platzes liegt der Kanal rund 7 m tief. Daneben die U3, deren Gleise übereinander liegen, auf rund 12 und 18 m, und der Bahnsteig der U1 auf 25 m. Ab rund 13 m steht Grundwasser im Schotter.
In fast 16 m endet der Schotter. Darunter liegt Tegel, verfestigter Schlamm vom Grund eines Sees, der hier vor rund elf Millionen Jahren lag. Ab etwa 100 m folgen Ablagerungen eines noch älteren Meeres, vor zwölf bis sechzehn Millionen Jahren. Der Stephansdom selbst ist fast ganz aus Leithakalk gebaut, Kalkstein, der an den Küsten dieses Meeres entstand.
Unter dem Stephansplatz hat noch niemand bis zum Fels gebohrt; die tiefsten Bohrungen der Innenstadt reichen 332 und 365 m. Im Osten liegen die Schichten viel tiefer. In Eßling im 22. Bezirk bohrte man 2012 nach heißem Wasser, 4.180 m tief, schräg und darum 4.224 m lang. Ganz unten kam das Gestein der Alpen, und das ließ kein Wasser durch. Weiter oben fand man heißes Wasser; mit Wasser aus dieser Schicht will Wien bald heizen.
Quellen und Bildnachweise
Daten
- Datenquelle: Stadt Wien – data.wien.gv.at · Bohrungen Baugrundkataster Standorte Wien (CC BY 4.0) · Bohrung am Stephansplatz (Adlertor, 1974) und die tiefsten Bohrungen der Innenstadt
- Datenquelle: Stadt Wien – data.wien.gv.at · Orthofoto 2025 Wien (CC BY 4.0) · Luftbild des Stephansplatzes
- Datenquelle: Stadt Wien – data.wien.gv.at · Bezirksgrenzen Wien (CC BY 4.0) · Umriss Wiens in der kleinen Karte (Stephansplatz und Eßling)
Für den Film haben wir die Daten ausgeschnitten, umgerechnet und neu gezeichnet.
Bilder
- Peter Gugerell, Wien 01 Virgilkapelle a (die Virgilkapelle innen), 2013. Wikimedia Commons. Lizenz: CC0 1.0. Änderung: Ausschnitt im Hochformat, langsame Fahrt.
- Peter Gugerell, Wien 01 Virgilkapelle b (Nische der Virgilkapelle mit Radkreuz), 2013. Wikimedia Commons. Lizenz: CC0 1.0. Änderung: wächst im Film aus der gezeichneten Kapelle.
- Peter Gugerell, Wien 01 Stephansplatz a (Westfassade des Stephansdoms), 2012. Wikimedia Commons. Lizenz: CC0 1.0. Änderung: Ausschnitt der Fassade, gerahmt über dem gezeichneten Schnitt.
- Adolph Menzel (Maler), Der Esterházykeller in Wien, 1871. Österreichische Galerie Belvedere, über Wikimedia Commons. Lizenz: gemeinfrei (Public Domain). Änderung: gerahmt, langsame Fahrt.
- Leopold Senfelder (Fotograf), 1., Stephansplatz 1 - Stephansdom - Katakomben, um 1910. Wien Museum, Inv.-Nr. 34879/1. Lizenz: CC0 1.0. Änderung: nur das Foto, ohne Karton und Farbkarte; gerahmt, langsame Fahrt.
- H. Fritzmann (Skizze), Die Gartenlaube, In den Katakomben zu St. Stephan in Wien, 1872. Wikimedia Commons. Lizenz: gemeinfrei (Public Domain). Änderung: gerahmt, langsame Fahrt.
- UrLunkwill, Stephansplatz (der Platz vom Domturm, mit den farbigen Umrissen der Magdalenen- und der Virgilkapelle im Pflaster (seit 2017 schwarze Linien)), 2008. Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY 2.5. Änderung: Ausschnitt im Rahmen, langsame Fahrt.
- Jakob Hoefnagel, Virgilkapelle drawing (die Magdalenenkapelle über der Virgilkapelle), 1609. Wikimedia Commons. Lizenz: gemeinfrei (Public Domain). Änderung: unverändert, gerahmt.
- Yoichi Okamoto (Fotograf, US Environmental Protection Agency (DOCUMERICA)), St. Stephens Cathedral and subway construction on the street below, Juli 1973. National Archives (NARA 549680), über Wikimedia Commons. Lizenz: gemeinfrei (Public Domain). Änderung: schwarzer Rand des Dias entfernt, Ausschnitt im Hochformat, langsame Fahrt.
- N. Levi, M. Weissl, K. Decker, Assessing the hazard of fault triggering by deep geothermal energy production in an active fault system via a 1D stress model and 3D fault mapping, Fig. 5 (Schichtfolge der Bohrung Eßling Thermal 1 („Well 1“)), 2024. International Journal of Earth Sciences. Lizenz: CC BY 4.0. Änderung: als eigene Säule nachgezeichnet und deutsch beschriftet (Seeboden, Meeresboden, heißes Wasser, Gestein der Alpen); die Abbildung selbst ist nicht im Film.
KI, Stimme und Musik
Im Film ist nichts mit KI gemalt: Schnitt und Säule sind eigene Zeichnungen nach den Belegen, schematisch in Breite und Lage, belegt sind die Tiefen. Stimme und Musik sind mit KI erzeugt: die Stimme mit Gemini 3.8 Flash TTS („Charon“), die Musik mit Google Lyria 3 Pro über OpenRouter.
Belege zu den Aussagen
- Wien Geschichte Wiki: Virgilkapelle
- Wien Geschichte Wiki: Katakomben (St. Stephan) (Grüfte unter Dom und Platz, 1745 bis 1783 rund 10.900 Bestattungen, 1872/73 geräumt)
- Wien Geschichte Wiki: Zwölf-Apostel-Keller (oberer und unterer Keller)
- Esterházykeller: „Zwei Stockwerke tief“ (Angabe des Lokals)
- Kieslinger (1964): Bausteine Wiens (der Stephansdom aus Leithakalk, Flysch nur im Fundament)
- Rohatsch (1991): St. Stephan, Herkunft der Baugesteine (Badenium und Sarmatium)
- Fundort Wien 18 (2015): Kaltenegger, Virgilkapelle (Boden 11,50 m unter dem Platz, Grabung 1972/73)
- Wiener Gewässer Management 2019: Poster Virgilkapelle, Stephansplatz, Maria-Magdalena-Kapelle
- Rathauskorrespondenz, 27. März 1973: „Stephansplatz: Romanische Unterkirche wird freigelegt“
- Rathauskorrespondenz, 16. November 1978, Blatt 2810: Bahnsteig der U1 am Stephansplatz „in 25 meter tiefe“
- Ackerl (2014), Diplomarbeit TU Wien: Schienenhöhen der U3 (daraus mit dem Geländemodell: Stephansplatz rund 12 und 18 m)
- Kanal am Platzrand rund 7 m: abgelesen im Kanalkataster von Wien Kanal; Mischsystem: Abwasser und Regen im selben Kanal
- eHYD, Grundwassermessstelle „Wien 1, Br 1-3“: Grundwasser rund 13 m unter Gelände (Mittel 1961 bis 2023)
- Pfleiderer u. a., Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt: Grundwasser der Stadtterrasse 11 bis 19 m
- Harzhauser & Piller (2005): Neogen des Wiener Beckens (Meer im Badenium und Sarmatium bis rund 11,6 Mio. Jahre, danach der Pannon-See)
- Geologische Bundesanstalt (2016): Thermalwässer in Österreich, Eßling Thermal 1 (4.224 m Bohrlänge, 4.180 m senkrecht)
- ORF Wien, 26. Juni 2026: „Geothermie in Aspern übertrifft Erwartungen“